Krankenhaushygiene

BVMed zum Bericht der EU-Kommission über die Aufbereitung von Medizinprodukten: „Auch ein Thema für die Krankenhaushygiene“

Die Aufbereitungspraxis von Medizinprodukten muss beim Thema „Vermeidung von Krankenhausinfektionen“ stärker untersucht werden. Das hat der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, angeregt. Hintergrund ist ein Bericht der EU-Kommission zur Aufbereitungspraxis, der Ende Oktober 2010 vor dem Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments diskutiert wurde. Der BVMed verweist dabei auf die Podiumsdiskussion der Konferenz über „Hohe Standards in der Krankenhaushygiene“ am 23. November 2010 in Berlin, auf der Hygieneexperten und Politikvertreter Verbesserungspotentiale ausloten werden. Prof. Dr. Philippe Hartemann, Hygieniker von der Université de Nancy und zweiter Vorsitzender des wissenschaftlichen SCENIHR-Ausschusses, wird dabei auch über die Aufbereitung von Medizinprodukten sprechen (Programm unter www.bvmed.de – Veranstaltungen).

Besonderer Schwerpunkt des EU-Berichts ist die Aufbereitung und Wiederverwendung von medizinischen Einmalprodukten. Nach Informationen des europäischen Dachverbands der MedTech-Branche, Eucomed, regte insbesondere der Europaabgeordnete Dr. med. Thomas Ulmer an, dem Bezug zu Krankenhausinfektionen nachzugehen.

Die EU-Kommission hatte ihren „Bericht über die Wiederaufbereitung von Medizinprodukten in der Europäischen Union“ am 27. August 2010 vorgelegt. Am 28. Oktober wurde der Bericht vor den Vertretern des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit des Europäischen Parlaments vorgestellt. Der Bericht baut im Wesentlichen auf der Stellungnahme des wissenschaftlichen SCENIHR-Ausschusses über „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken“ (Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks) auf. Potenzielle Gefahren werden nach Informationen des BVMed insbesondere bei Restkontaminationen, chemischen Rückständen und Änderungen in der Funktionalität aufbereiteter Produkte gesehen.

Aussagen über die Einspareffekte der Aufbereitung werden als unzureichend bewertet. Auch die Datenlage ökologischer Studien wird als nicht vollständig angesehen. In ihrem mündlichen Bericht vor den Parlamentariern verdeutlichte die Kommission, in der Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten gebe es keine spezifische gesetzliche Regelung der Aufbereitung. Dies werde generell als Verbot dieser Praxis gewertet.

Der deutsche Europa-Parlamentarier und Facharzt Dr. Thomas Ulmer regte an, dem Bezug zu Krankenhausinfektionen nachzugehen. Ulmer forderte, dass sowohl der behandelnde Arzt als auch der Patient darüber informiert werden, wenn bei der Behandlung wiederaufbereitete Einmalprodukte verwendet werden.

Der BVMed setzt sich dafür ein, dass bei der Aufbereitung von Medizinprodukten die gleichen hohen Anforderungen an die Aufbereiter wie zuvor an die Hersteller gestellt werden, um eine größtmögliche Patienten- und Anwendersicherheit zu gewährleisten.

Weitere Informationen zum Thema gibt es auf dem BVMed-Internetportal unter:
www.bvmed.de/themen/reuse

MedInform-Veranstaltung „Hohe Standards in der Krankenhaushygiene“ :
www.bvmed.de/events/date/medinform231110.html
  • Weitere Artikel zum Thema
  • COVID-19 | Info-Blog

    Im COVID-19-Info-Blog informiert der BVMed regelmäßig rund um die Coronavirus-Pandemie: Sie finden hier u. a. aktuelle Gesetzgebungen und Verordnungen zum Testen und Impfen von Branchenmitarbeitern, zum Reisen und zur Quarantäne, sowie Hinweise und Links zu Liquiditätshilfen und Förderprogrammen. Außerdem informieren wir über arbeitsrechtliche Fragen z. B. zu Kurzarbeit, Systemrelevanz, Arbeitsschutz und Betriebsabläufen. Mehr

  • Holetschek besorgt über Auswirkungen neuer EU-Medizinprodukteverordnung für Patienten – Bayerns Gesundheitsminister fordert bei Besuch in Brüssel: Bürokratie darf Innovationen bei Medizinprodukten nicht abwürgen

    Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat sich am 14. Juni 2022 bei einem Besuch in Brüssel besorgt über mögliche negative Folgen der neuen EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) geäußert. Holetschek betonte: „Patientenschutz ist ein hohes Gut – und die Medizinprodukteverordnung ist selbstverständlich sinnvoll. Doch sie schafft auch einige Probleme in der Umsetzung. Hier muss die EU-Kommission rasch gegensteuern.“ Mehr

  • MDR-Diskussion auf dem EPSCO-Meeting | BVMed: „Probleme erkannt und benannt, aber: Warten ist keine Option!"

    Die Probleme mit der Umsetzung der EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) sind auf der heutigen EPSCO-Sitzung der Gesundheitsministerien der europäischen Mitgliedsstaaten umfangreich diskutiert worden. „Es ist gut, dass die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten die Sorgen der Kliniken, Ärzte und Ärztinnen sowie MedTech-Unternehmen ernst nehmen und pragmatische Lösungen anstreben. Aber: Warten ist keine Option! Wir brauchen jetzt konkrete Lösungen und Maßnahmen und können nicht bis zum nächsten Sachstandsbericht der EU-Kommission im Dezember 2022 warten“, kommentiert BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll das Ergebnis der Sitzung. Mehr


©1999 - 2022 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik