Gesundheitspolitik

BVMed-Mitgliederversammlung in Hamburg Vorstandsvorsitzende Cornelia Gröhl stellt "Zehn Appelle an die Gesundheitspolitik" vor

Die für 2003 angekündigte Gesundheitsreform muss Anreize für Innovationen geben und den Patienten den schnellen Zugang zu neuen Behandlungsmethoden der Medizintechnologiebranche ermöglichen. Das forderte die Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) auf der Mitgliederversammlung in Hamburg. "Wir wollen, dass neue Behandlungsmethoden der Medizintechnologiebranche allen Patienten, die sie benötigen, ohne Verzögerung zur Verfügung stehen", beschrieb sie die Vision für eine optimale Patientenversorgung.

Zur Schaffung eines innovationsfreundlicheren Klimas im deutschen Gesundheitswesen schlug der BVMed u. a. vor:

Die Budgetierungspolitik in Verbindung mit der Beitragssatzstabilität muss durch ein am tatsächlichen medizinischen Bedarf der Bevölkerung orientiertes Finanzierungssystem unter Einschluss optionaler Finanzierungsmodelle ersetzt werden.
Das neue Fallpauschalensystem im Krankenhaus muss für innovative Verfahren und Medizintechnologien flexible und schnelle Öffnungen vorsehen und bei der Weiterentwicklung des Systems die Hersteller stärker beteiligen.
Die Technologiebewertungsverfahren der Bundesausschüsse müssen schneller und transparenter werden und die Hersteller angemessen beteiligen.
Beim Thema "Sponsoring im Gesundheitsmarkt" benötigen wir dringend eine rechtliche Klarstellung, damit der Forschungsstandort Deutschland nicht länger gefährdet wird.

Cornelia Gröhl: "Alle Beteiligten im Gesundheitswesen müssen zusammenwirken, um ein modernes Gesundheitssystem zu schaffen, das Anreize für die optimale Behandlung schafft, den Einsatz innovativer, effizienter Medizintechnologien ohne Verzögerungen zulässt und einen bestmöglichen Einsatz der existierenden Informationstechnologien gewährleistet."

Die BVMed-Vorstandsvorsitzende stellte auf der Mitgliederversammlung ihres Verbandes die folgenden "Zehn Appelle an die Gesundheitspolitik" vor:

1. Bedeutung von Medizinprodukten: Medizintechnologien müssen im Gesundheitswesen stärker beachtet werden, da sie dazu beitragen können, dass unser Gesundheitswesen insgesamt effektiver wird.

2. Gesundheitsreform: Die Gesundheitsreform muss Anreize für Innovationen geben und den Patienten den schnellen Zugang zu Innovationen ermöglichen.
3. Fallpauschalen im Krankenhaus: Das neue Fallpauschalensystem im Krankenhaus muss offen und flexibel für neue Behandlungsmethoden sein.

4. Technologiebewertung: Die Verfahren der Bundesausschüsse zur Technologiebewertung müssen transparenter und zügiger abgeschlossen werden und die Industrie partnerschaftlich einbeziehen.

5. Hilfsmittelversorgung: Die Hilfsmittelversorgung darf auch künftig nicht eingeschränkt werden. Bei der Erstellung von Qualitätsstandards muss der Sachverstand der Industrie einbezogen werden.

6. Homecare: Die zunehmende Bedeutung von Homecare muss von der Gesundheitspolitik anerkannt werden.

7. Medizinprodukterecht: Im Medizinprodukterecht muss der erfolgreiche Weg der Deregulierung fortgesetzt werden.

8. Aufbereitung von Medizinprodukten: Die Praxis der Aufbereitung von medizinischen Einmalprodukten muss stärker überwacht werden.

9. Elektronische Kommunikation: Die Potentiale von E-Health und E-Commerce müssen stärker genutzt werden, um zu helfen, Ineffizienzen im Gesundheitswesen zu beseitigen.

10. Sponsoring im Gesundheitswesen: Beim Sponsoring im Gesundheitswesen brauchen wir dringend eine rechtliche Klarstellung, um die gewünschte Kooperation von unerwünschter Korruption abzugrenzen.

Eine Langfassung der Appelle kann dem vollständigen Redetext entnommen werden, der im Internet unter www.bvmed.de in der Rubrik "Publikationen" abrufbar ist.

Cornelia Gröhl: "Wir stehen in einem Wahljahr, das dafür sorgen wird, dass die Gesundheitspolitik besonders im Fokus steht. Wir stehen mit dem DRG-System vor einer Revolution im Krankenhausbereich, die eine große Herausforderung für Kliniken und Industrie darstellt und auch Auswirkungen auf den ambulanten Bereich haben wird. Und wir stehen vor einer umfassenden Gesundheitsreform, die notwendig ist, um auch künftig den Patienten die Teilhabe am medizinisch-technischen Fortschritt zu ermöglichen.

Bei all diesen Themen steht die Medizintechnologiebranche als Partner zur Verfügung, um Prozesse und Veränderungen mitzugestalten, um unser Gesundheitssystem zu sichern und den Patienten auch in Zukunft eine bestmögliche medizinische Versorgung zu gewährleisten."
  • Weitere Artikel zum Thema
  • eHealth-Strategie für Deutschland

    Acht Verbände aus vier Branchen der industriellen Gesundheitswirtschaft - BIO Deutschland, Bitkom, bvitg, BVMed, SPECTARIS, VDGH, vfa und ZVEI - setzen sich gemeinsam für die Entwicklung eines nationalen eHealth-Zielbilds und einer daraus abgeleiteten eHealth-Strategie für Deutschland ein. Weiterlesen

  • MdB Dr. Roy Kühne beim BVMed | "Hilfsmittel-Leistungserbringer müssen in der COVID-19-Krise unterstützt werden"

    "Durch das Herunterfahren der klinischen Versorgungen und die erheblich reduzierte Patientenversorgung in den niedergelassenen Praxen sind die Hilfsmittel-Leistungserbringer erheblich unter Druck geraten", sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne, Berichterstatter seiner Fraktion für den Hilfsmittelbereich, auf dem digitalen "Gesprächskreis Gesundheit" des BVMed am 13. Mai 2020. Er forderte Unterstützungsmaßnahmen für die Hilfsmittel-Leistungserbringer, um die Versorgung der Patienten vor Ort sicherzustellen. Wichtig sei zudem eine klare Ansage, dass planbare Operationen jetzt wieder möglich sind und durchgeführt werden sollten. Weiterlesen

  • COVID-19 | Anhörung zum 2. Bevölkerungsschutzgesetz | BVMed: "Komplexe Medizinprodukte-Lieferketten beachten"

    Der BVMed appelliert im Vorfeld der Anhörung zum Zweiten Bevölkerungsschutzgesetz, auch in Krisenzeiten die marktwirtschaftlichen Prinzipien und die komplexen Lieferketten und Produktionsnetzwerke der MedTech-Branche zu beachten, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. "Wichtig ist, dass die komplexen Liefer- und Versorgungsketten unserer Branche nicht durch staatliche Eingriffe wie Beschlagnahme oder Exportbeschränkungen beeinträchtigt werden", so BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Weiterlesen


©1999 - 2020 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik