Inkontinenzversorgung

Ausschreibungen im Bereich ableitender Inkontinenzhilfen sind ungeeignet

BVMed-Fachbereich kritisiert reine Preisfokussierung zu Lasten der Patienten

Der Fachbereich Stoma-/Inkontinenzversorgung (FBSI) des BVMed hat die jüngste Ausschreibung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zu ableitenden Inkontinenzhilfen kritisiert. Die Ausschreibung sei für die stark erklärungsbedürftigen Produkte im Intimbereich der Betroffenen ein ungeeignetes Instrument zur Steuerung der Hilfsmittelversorgung und gehe aufgrund der reinen Preisfokussierung zu Lasten der Patienten, sagte BVMed-Hilfsmittelexpertin Daniela Piossek. Der BVMed schließt sich damit der Kritik der Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde (FgSKW, www.fgskw.de, Pressemeldung vom 20. Februar 2014) an.

Bei der KKH-Ausschreibung, die im Januar 2014 gestartet wurde, geht es um Produkte wie Blasenkatheter, spezielle Katheter zur intermittierenden Katheterisierung (ISK), Beinbeutel oder Urinalkondome", also Produkte die in wortwörtlicher Bedeutung zum Intimbereich eines Menschen mit Kontinenzproblemen gehören", schreibt die FgSKW. Die Fachgesellschaft und die im BVMed organisierten Hersteller und Vertreiber der Hilfsmittel kritisieren, dass den Versicherten künftig ein exklusiver Vertragspartner vorgeschrieben werde, der über den günstigsten Preis ermittelt werde. Fachgesellschaft und BVMed sprechen sich klar gegen Ausschreibungen bei Versorgung mit ableitenden Inkontinenzprodukten unter diesen Kriterien aus.

Der BVMed verweist in diesem Zusammenhang auf seine Stellungnahme zu Ausschreibungen vom November 2012 (Stellungnahme). Nach Ansicht des BVMed wurde das ursprüngliche Ziel der Ausschreibungen im Hilfsmittelbereich - eine wirtschaftlichere Versorgung der Versicherten im Hilfsmittelbereich unter Beibehaltung der bisherigen Produkt- und Dienstleistungsqualität sowie unter Berücksichtigung der mittelständischen Leistungserbringerstruktur – nicht erreicht.

"Die erzielten Preiseinsparungen in den verschiedenen Ausschreibungsbereichen erfolgten zu Lasten der Versorgung des Versicherten. Das alleinige Zuschlagskriterium ist in der Regel der niedrigste Preis. Eine Kontrolle durch die Krankenkasse, im Sinne eines Schutzes des Patienten vor Überforderung, besteht nicht", so der BVMed. Ausschreibungen hätten damit zu "belegbaren Verlusten bei Produkt- und Dienstleistungsqualität, wie beispielsweise bei der persönlichen Beratung, Hausbesuchen, Lieferterminen und Bemusterungen geführt".

Das Fazit des BVMed: "Ausschreibungen in der bisherigen Form im Hilfsmittelbereich sind nicht geeignet, um eine ausreichend zweckmäßige Versorgung der Versicherten mit Hilfsmitteln sicherzustellen. Sie haben zu einem Qualitätsverlust in der Versorgung geführt." Extrem beratungsbedürftige Hilfsmittel sollten daher nicht Gegenstand von Ausschreibungen sein, ist sich der BVMed mit der Fachgesellschaft einig. Notwendig seien Vertragsverhandlungen mit qualifizierten Leistungserbringern, um schwere Einschränkungen in der Hilfsmittelversorgung für die Betroffenen zu vermeiden.
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