Mittelstand

MedTech-Mittelstand

Die zu 93 Prozent mittelständisch geprägte industrielle Gesundheitswirtschaft stellt eine Schlüsselindustrie für die deutsche Volkswirtschaft mit hoher Innovationskraft und Wertschöpfung dar. Um die Systemrisiken zu minimieren und Deutschland weiterhin als Heimatmarkt für Gesundheitsprodukte sicherzustellen bzw. zu stärken, müssen die MedTech-KMUs stärker unterstützt werden. Der BVMed stellt sich dieser Aufgabe und hat im November 2019 das Referat Mittelstand und Wirtschaftspolitik gegründet.

Über die Hälfte der Wertschöpfung von Medizintechnik in Deutschland entsteht in den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Rund ein Fünftel der Erwerbstätigen in der industriellen Gesundheitswirtschaft (iGW) entfällt auf MedTech - zwei Drittel davon arbeiten in einem KMU-Betrieb.

Die größten Hemmnisse für mittelständische MedTech-Unternehmen stellen die stark gestiegenen regulatorischen Anforderungen beispielsweise durch die EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) dar. Insbesondere die mittelständischen Unternehmen fordern hier eine vereinfachte Neuzertifizierung für bewährte Bestandsprodukte. Die Herausforderung bei der Implementierung der MDR wird durch die Corona-Pandemie noch verstärkt. Insbesondere die mittelständischen Betriebe sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Ein Grund hierfür sind die aus der Pandemie resultierenden Reise- und Quarantänebeschränkungen. Diese können das Inverkehrbringen von Medizinprodukten massiv beeinträchtigen, da für die nötige Zertifizierung Vor-Ort Audits vorgesehen sind. Um die medizinische Versorgung mit Medizinprodukten weiterhin sicherzustellen, ist es aus BVMed-Sicht daher sinnvoll, unter bestimmten Umständen Alternativlösungen wie digitale Audits zuzulassen.

Des Weiteren zählen zu den herausfordernden COVID-19-Auswirkungen die Verschiebung von Operationen sowie der Rückgang von Arztbesuchen und Verordnungen. Die BVMed-Unternehmen erwarten aufgrund dessen in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 4,9 Prozent – nach einem Umsatzplus von 3,3 Prozent im Vorjahr. Der Rückgang betrifft vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Des Weiteren sind insbesondere die KMUs von den durch COVID-19 verursachten personellen Änderungen betroffen. 38 Prozent aller MedTech-Unternehmen nutzen das Instrument der Kurzarbeit, um Entlassungen zu vermeiden.

Darüber hinaus ist die Förderlandschaft Thema des MedTech-Mittelstands. Zur Unterstützung fordert der BVMed Förderprogramme die explizit auf KMUs und die Umsetzung der MDR ausgerichtet sind. Insgesamt sollte Forschung und Produktion am Standort Deutschland für mittelständische MedTech-Unternehmen weiterhin möglich sein bzw. hinsichtlich derer Charakteristika ausgebaut werden. Hierzu würde sich eine neue Förderkonzeption, welche sich nicht ausschließlich auf Neuprodukte und Innovationen fokussiert, anbieten. Kleine und mittelständische Unternehmen benötigen Förderungen bis zur Produkteinführung.
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