Lage der Branche

Die Lage der MedTech-Branche: Umsätze brechen im Corona-Krisenjahr ein

Die COVID-19-Pandemie hat auch auf die Medizintechnik-Branche dramatische Auswirkungen, beispielsweise durch die Verschiebung von Operationen und den Rückgang von Arztbesuchen und Verordnungen. Die BVMed-Unternehmen erwarten in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 4,9 Prozent – nach einem Umsatzplus von 3,3 Prozent im Vorjahr. Das zeigt die BVMed-Herbstumfrage 2020.

Nur knapp ein Viertel (24 Prozent) der befragten MedTech-Unternehmen rechnen in diesem Krisenjahr noch mit einem besseren Umsatzergebnis als im Vorjahr. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 70 Prozent.

56 Prozent der befragten Unternehmen gehen dagegen von einem Umsatzrückgang aus. Bei einem Drittel der Unternehmen sind die Umsatzrückgänge sogar im zweistelligen Bereich. Das zeigt, wie dramatisch die MedTech-Branche von der Verschiebung elektiver Eingriffe und den rückgängigen Arztbesuchen betroffen ist. Diese Auswirkungen können auch bei weitem nicht durch den Mehrbedarf an medizinischer Schutzausrüstung und Hygieneprodukten kompensiert werden.

Aus den gewichteten Umsatzangaben der BVMed-Unternehmen ergibt sich im deutschen Markt ein durchschnittlicher Umsatzrückgang von 2,1 Prozent. Der ungewichtete Wert liegt sogar bei minus 4,9 Prozent. Das zeigt, dass die kleineren Unternehmen stärker von den Rückgängen betroffen sind. Unternehmen mit einem Umsatz unter 25 Millionen Euro Umsatz verzeichneten im Schnitt einen Umsatzrückgang von minus 6,4 Prozent.

Die erwartete weltweite Umsatzentwicklung fällt mit einem Minus von 4,7 Prozent noch dramatischer aus. Und das, obwohl in den vergangenen Jahren das internationale Wachstum der Unternehmen immer über dem Inlandsergebnis lag. Das zeigt, dass Deutschland die COVID-19-Pandemie im internationalen Vergleich gut gemeistert hat und der Regelbetrieb in den Kliniken relativ rasch wieder eingeleitet wurde.

Eine Einzelauswertung nach Produktbereichen zeigt, dass vor allem der Implantate-Bereich (minus 7,9 Prozent) sowie OP-Produkte und OP-Sets (minus 6,7 Prozent) von den Corona-Folgen betroffen sind. Verbandmittel verzeichnen im Durchschnitt einen Umsatzrückgang um minus 3,2 Prozent, Hilfsmittel um minus 2,6 Prozent.

Besorgniserregend ist auch die Entwicklung der Gewinnsituation der Unternehmen in Deutschland. Knapp zwei Drittel der Unternehmen gehen von einer Verschlechterung der Gewinnsituation aus. Im Vorjahr waren es 43 Prozent.

Sehr unterschiedliche Auswirkungen hat das Corona-Krisenjahr auf die Investitionstätigkeit der Branche. Immerhin 21 Prozent der Unternehmen erhöhen ihre Investitionen am Standort, beispielsweise durch den Aufbau neuer Produktionskapazitäten für medizinische Schutzprodukte in Deutschland. Auf der anderen Seite geben 29 Prozent der Unternehmen an, ihre Investitionen am Standort gegenüber dem Vorjahr verringern zu müssen.

Schlechter sieht die Situation bei den Forschungsausgaben aus. Nur noch 17 Prozent (Vorjahr: 28 Prozent) der befragten BVMed-Unternehmen erhöhen ihre Forschungsausgaben gegenüber dem Vorjahr. 22 Prozent der Unternehmen müssen ihre Forschungsausgaben verringern (Vorjahr nur 7 Prozent).

Die mit dem Lockdown verschobenen Operationen sind der wichtigste Faktor für die Umsatzrückgänge der MedTech-Branche in diesem Jahr in Deutschland. 70 Prozent der befragten Unternehmen sind davon betroffen. 57 Prozent nennen die Einschränkungen der Kundenkontakte für den Außendienst als negativen Faktor. Knapp die Hälfte hat unter ausbleibenden Arztbesuchen und dem damit verbundenen Rückgang von Verordnungen zu leiden.
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