Standort Deutschland

Marktbedingungen in Deutschland: Vor- und Nachteile

Die Medizintechnik-Branche sorgt sich zunehmend um den Standort Deutschland. Das erwartete Umsatzwachstum der Unternehmen liegt im Inland nach den Ergebnissen der BVMed-Herbstumfrage 2017 nur noch bei 2,8 Prozent und damit deutlich unter den Vorjahreswerten. Die weltweite Umsatzentwicklung bleibt dagegen mit einem Plus von 5,9 Prozent auf dem guten Vorjahresniveau. Der „Innovationsklima-Index Medizintechnik“ des BVMed fiel im vierten Jahr in Folge von einem Wert von 6,2 im Jahr 2013 auf nur noch 4,5 in diesem Jahr.

Als größte Stärke des Standorts Deutschland nennen die befragten MedTech-Unternehmen wie in den Vorjahren die im Land vorhandene Infrastruktur, beispielsweise die Verkehrswege. 62 Prozent nennen diesen Aspekt. Häufig genannte Stärken sind zudem die gut ausgebildeten Fachkräfte (60 Prozent), das hohe Versorgungsniveau der Patienten sowie gut ausgebildete Ärzte (jeweils 47 Prozent). Es folgen gut ausgebildete Wissenschaftler und Ingenieure (34 Prozent) und der hohe Standard der klinischen Forschung (32 Prozent). Nur noch 27 Prozent nennen den Aspekt der schnellen Marktzulassung durch die CE-Kennzeichnung als Standortvorteil.

Schwächen des Standorts Deutschland sehen die Unternehmen vor allem bei den Erstattungspreisen und den Rahmenbedingungen beim Reimbursement. Nur 11 Prozent der Unternehmen nennen diese Aspekte als Standortvorteile. Am schlechtesten ist mit 6 Prozent Nennungen der Wert für die Forschungsförderung in Deutschland.

Grundsätzlich hat Deutschland hat in den zukunftsträchtigen Innovationsfeldern der Medizintechnologie durch die große Zahl gut ausgebildeter Ärzte, Forscher und Ingenieure und durch den hohen Standard der klinischen Forschung beste Voraussetzungen, neue Produkte und Verfahren zur Marktreife zu führen. Wir haben durch die Universitätskliniken und die zahlreichen Kompetenzzentren in der Medizintechnik ein großes Wissen.

Die Vorteile Deutschlands liegen auch in den kürzeren Zulassungszeiten und in der sehr guten und kostengünstigeren klinischen Forschung. In Deutschland kostet es durchschnittlich rund 8 bis 10 Millionen Euro, eine neue Idee aus der Medizintechnik zur Marktreife zu bringen. In den USA sind diese Kosten mit rund 80 Millionen Dollar wesentlich höher.

Weitere Standortvorteile: Deutschland ist der größte Binnenmarkt für Medizinprodukte in Europa. Der Standort verfügt über eine gute Infrastruktur, eine zentrale Lage mit relativ kurzen Wegen zu den wichtigsten europäischen Märkten, einer guten Verkehrsanbindung und einer hohen Versorgungssicherheit.

Wichtig sind auch die Nähe zu den führenden Maschinen- und Packmittelherstellern, die hohen Qualitätsstandards, der hohe technische Standard und gutes Know-how sowie eine hohe Lieferzuverlässigkeit.

Erhebliche Defizite bestehen in Deutschland allerdings bei der Einführung von Innovationen in die Vergütungssysteme, sodass sie dann auch zeitnah beim Patienten ankommen.

Die Nachteile des Standorts Deutschland lassen sich wie folgt zusammenfassen: Eine starke Ökonomisierung des Gesundheitsmarktes, überzogene Anforderungen an die Erstattung, eine nicht funktionierende Innovationsklausel im stationären Bereich, eine verzögerte Innovationseinführung in die Vergütungssysteme, ein weniger dynamisches Wachstum im Vergleich zum Weltmarkt und eine stark eingeschränkte Planungssicherheit. Weitere Nachteile sind die relativ hohe Unternehmenssteuer, wesentlich höhere Energiekosten, relativ hohe Sozialkosten sowie ein hoher Urlaubs- und Freizeitanspruch.
  • Weitere Artikel zum Thema
  • Die Medizintechnik bleibt nach 2016 auch 2017 das Segment mit der größten Anzahl an Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt (EPA), berichtet die Ärzte-Zeitung. Wie aus dem EPA-Jahresbericht 2017 hervorgeht, verzeichnete die Medizintechnik gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg von 6,2 Prozent auf insgesamt 13.090 Patentanmeldungen. Weiterlesen

  • Der europäische Markt für Labordiagnostika stagniert. 2017 schrumpfte er gegenüber dem Vorjahr sogar leicht um 0,2 Prozent. Für den deutschen Markt geht der Labordiagnostik-Industrieverband VDGH sogar von einem Umsatzminus in Höhe von 1,7 Prozent aus, sagte der VDGH-Vorstandsvorsitzende Matthias Borst bei der Vorstellung der Ergebnisse einer Branchenumfrage in Berlin. "Die Diagnostikabranche ist damit von der positiven Entwicklung in anderen Medizintechnikmärkten ein Stück weit entkoppelt und liegt sogar unter dem europäischen Durchschnitt", so Borst. Weiterlesen

  • Im Mittelpunkt stehen Vorträge zum Thema "(Digitale) Zukunft der Gesundheitswirtschaft" sowie MedTech-Projekte von Studenten der FH Südwestfalen und der Uni Siegen. Die Anmeldung bis 12. März ist kostenfrei. Weiterlesen


©1999 - 2018 BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik