Verbandkasten

Verbandkästen helfen Leben retten! Die Rettungsdecke: Mehr als eine wärmende Hülle

24.09.2002 - 63/02

Berlin. Für alle, die Erste Hilfe leisten, gilt: Ebenso wichtig wie tröstende Worte sind die richtigen Hilfsmittel. Sie können Schmerzen lindern, Gesundheit erhalten oder gar Leben retten. „Die Rettungsdecke beispielsweise kann sowohl kühlen als auch wärmen“, erläutert der Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed).


Ein regnerischer, kalter Herbsttag, ein Auto ist gegen einen Alleebaum gefahren. Der Fahrer hat offensichtlich einen Schock erlitten und friert, denn er steht ohne Jacke teilnahmslos neben seinem Wagen. Ansonsten scheint er unverletzt. Wer hier als Ersthelfer zum Unfallort kommt, der sollte die Unfallstelle absichern und anschließend zur Rettungsdecke greifen: Denn es gilt den Verletzten zu wärmen und vor Nässe zu schützen.

Die Rettungsdecke befindet sich im Kfz-Verbandkasten und ist groß genug, um einen Erwachsenen gleichzeitig von unten gegen die Kälte des Asphalts zu schützen und zuzudecken: Der Helfer breitet dafür die 210 x 160 Zentimeter große Rettungsdecke mit der silbernen Seite nach oben aus. Der Verletzte legt sich diagonal mit dem Rücken auf die Rettungsdecke – so dass sich jeweils eine Ecke der Folie oberhalb seines Kopfes und unterhalb seiner Füße befindet, die anderen beiden liegen rechts und links vom Körper. Wenn nun die Rettungsdecke an den Füßen und den Seiten eingeschlagen wird, ist der Verletzte rundum zugedeckt und vor Kälte sowie Nässe geschützt. Denn die silberne, zum Körper gewandte Seite der Rettungsfolie reflektiert die Körperwärme und verhindert so eine Unterkühlung. Nun sollte der Helfer die Beine des Unfallopfers etwas hochlegen (Schocklage), um so den Kreislauf des Verletzten zu stabilisieren.

Doch die Rettungsdecke des Verbandkastens kann nicht nur zum Wärmen eingesetzt werden, sondern auch zum Kühlen: Dabei wird der Verletzte mit der Rettungsdecke so zugedeckt, dass die goldene Seite zum Körper gewandt ist. Die silberne Seite der Folie kann dann starke Sonnenstrahlen reflektieren, und der Körper des Verletzten wird vor zu großer Hitze geschützt. Im Sommer ist es bei hohen Temperaturen notwendig, diese kühlende Wirkung der Rettungsdecke auszunutzen: Der Körper eines Schock-Patienten darf zwar nicht auskühlen – doch er darf auch nicht überhitzt werden. Damit würde der Schockzustand im schlimmsten Fall sogar noch verstärkt. Für Ersthelfer gilt deshalb hier die Regel: Silber zum Körper gleich wärmen, Gold zum Körper gleich kühlen.

Eine Bildgrafik mit Erklärungen zum honorarfreien Abdruck finden Sie unter
http://www.bvmed.de/linebreak4/mod/netmedia_image/data/rettungsdecke.jpg.
 
Weitere Informationen zum Thema unter www.bvmed.de (Glossar - Verbandkasten)

Fragen zur Rettungsdecke

Andreas G. Holthaus, Sprecher des Fachbereichs Erste Hilfe im Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed), zum Thema Rettungsdecke:

Stimmt es, dass die Rettungsdecke nicht nur wärmt, sondern auch kühlt?

Holthaus: Ja, bei der Rettungsdecke nutzen wir die Tatsache aus, dass Silberfolie Sonnenstrahlen und Körperwärme reflektiert, Goldfolie hingegen nicht. Ist die silberne Seite der Decke zum Körper gewandt, wird die körpereigene Wärme reflektiert und der Verletzte gewärmt. Zeigt hingegen die silberne Seite der Folie zur Sonne, reflektiert sie die Sonnenstrahlen. Die Wärme wird abgewiesen.

Wann muss ich die kühlende Wirkung der Rettungsdecke ausnutzen?

Holthaus: Im Hochsommer kann eine Zwangspause im Stau für den Körper zur Tortur werden: Die Hitze im Wagen belastet den Kreislauf, und direkte Sonneneinstrahlung durch das offene Dach kann sogar zu einem Sonnenstich führen. Typische Anzeichen dafür sind Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Wer an diesen Symptomen leidet, darf sich nicht flach hinlegen, sondern muss seinen Oberkörper etwas erhöht lagern, während Helfer den Körper mit der Rettungsdecke kühlen.

Warum kann es lebenswichtig sein, einen Verletzten zu wärmen – auch wenn er nicht an Unterkühlung leidet?

Holthaus: Frieren und Zittern können beispielsweise darauf hinweisen, dass ein Verletzter unter Schock steht. Um diesen Schock zu behandeln, ist es unter anderem notwendig, den Betroffenen zu wärmen. Durch diese Maßnahme können Ersthelfer vermeiden, dass der Schock zur Lebensbedrohung wird. Ausnahmen: hochsommerliche Außentemperaturen, starke Sonneneinstrahlung.
 


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