Verbandkasten

Verbandkästen helfen Leben retten! Das Verbandpäckchen: der ideale Druckverband

22.05.2003 - 38/03

Berlin. Im Rahmen ihrer Fahrausbildung haben alle deutschen Autofahrer zwar gelernt, mit dem Verbandpäckchen umzugehen. Wenn es jedoch darauf ankommt, dieses Wissen anzuwenden, haben viele Verkehrsteilnehmer Angst vor Fehlern. Dabei ist Erste Hilfe im Prinzip ganz einfach. "Führerscheinbewerber lernen, wie auch ungeübte Ersthelfer mit dem Verbandpäckchen problemlos einen Druckverband anlegen können", so der Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed), der dazu auf die "Lebensrettenden Sofortmaßnahmen am Unfallort" verweist, die von allen Erste-Hilfe-Organisationen unterrichtet werden.


Ein sommerlicher Frühlingstag: Ein Auto ist von der Landstraße abgekommen und liegt im Graben. Der Fahrer hat eine stark blutende Wunde am Unterarm. Diese Blutung müssen die Ersthelfer mit Hilfe eines Druckverbandes möglichst schnell stillen. Dazu eignet sich das Verbandpäckchen besonders gut, da es gebrauchsfertig alle für einen Verband nötigen Bestandteile kombiniert: sterile Wundauflage, Polsterung und Befestigungsmaterial.

Im ersten Schritt muss sich der verletzte Fahrer hinsetzen oder besser noch hinlegen. Um einen Druckverband anlegen zu können, sind zwei Helfer erforderlich – notfalls muss ein vorbeifahrendes Auto angehalten und einer der Insassen um Hilfe gebeten werden. Helfer eins hält dann den verwundeten Arm hoch. Gleichzeitig presst er an der Innenseite des Oberarms die zur Wunde führende Arterie gegen den darunter liegenden Knochen, um die Blutzufuhr zur Blutungsstelle zu unterbrechen. Dieses Abdrücken darf erst beendet werden, wenn der Druckverband fertig ist.

Helfer zwei legt nun den Verband an: Dazu entfernt er die Verpackung und zieht den Verband so auseinander, dass er das kurze Bindenstück in der einen und das aufgerollte längere in der anderen Hand hält. Um Verschmutzungen oder Infizierungen zu vermeiden, darf die keimfreie Wundauflage nicht berührt werden, und sie muss die Wunde möglichst vollständig bedecken. Dabei ist das Verbandpäckchen durch die Einheit von Wundauflage und Verband besonders einfach zu handhaben.

Im nächsten Schritt fixiert Helfer zwei die Wundauflage durch mehrfaches Umwickeln mit der Binde, bevor Helfer eins ein weiteres, verpacktes Verbandpäckchen als Druckpolster auf den Wundbereich legt. Um damit dauerhaft den gewünschten Druck auf die Arterie ausüben zu können, wird dieses mit der restlichen Binde des ersten Verbandes festgehalten. Dabei müssen die Ersthelfer darauf achten, dass der Druckverband einerseits die Blutung stillt und andererseits nicht zu fest gewickelt ist. Achtung: Ist der Verband zu stramm gewickelt, verfärben sich die Finger dunkel und fühlen sich kalt an. Zum Schluss wird das Bindenende mit Pflasterstreifen festgeklebt.

Weitere Informationen zum Thema befinden sich im Internet unter www.bvmed.de (Themen – Verbandkasten).


Fragen zum Verbandpäckchen

Andreas G. Holthaus, Sprecher des Fachbereichs Erste Hilfe im Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed), zum Thema Verbandpäckchen:


Warum ist es so wichtig, Blutungen möglichst schnell zu stoppen?

Holthaus: Stärker blutende Wunden müssen schnellstmöglich gestillt werden, um einen größeren Blutverlust zu vermeiden. Denn bei Erwachsenen bedeutet bereits der Verlust von einem Liter Blut Lebensgefahr. Außerdem kann jede Blutung zu einem Schock führen.

Was müssen Ersthelfer bei Wunden grundsätzlich beachten?

Holthaus: Auch bei geringfügigen Wunden sollte sich der Verletzte hinsetzen oder -legen, da er aufgrund des Blutverlustes oder anderer Verletzungen ohnmächtig werden und stürzen könnte. Der Helfer darf die Wunden nur mit sterilen Kompressen oder Wundauflagen abdecken. Außerdem sollten Wunden prinzipiell nicht direkt berührt oder ausgewaschen werden – auch die Verwendung von Puder, Salben, Sprays oder Desinfektionsmitteln sowie das Entfernen von Fremdkörpern sollte der Ersthelfer einem Arzt überlassen.

Was ist zu tun, wenn ein bereits angelegter Verband durchblutet?

Holthaus: Bei sehr starken Blutungen ist es durchaus möglich, dass ein Druckverband nicht ausreicht. Dringt Blut durch den Verband, kann der Ersthelfer über diesen ersten Druckverband einen zweiten anlegen: Dazu umwickelt er den Arm erst mehrfach mit einer Mullbinde, bevor er ein weiteres, verschlossenes Verbandpäckchen über dem ersten positioniert und festhält. Dieses wird mit der restlichen Mullbinde fixiert.


Grafik zum Verbandpäckchen unter: http://www.bvmed.de/linebreak4/mod/netmedia_image/data/verbandpaeckchen.jpg


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