Wiederverwendung/Aufbereitung

Re-Use News: BVMed informiert über neue Maßnahme der britischen Regierung zum Gebrauch von Einmalinstrumenten

16.02.2001 - Nr. 13/2001

Wiesbaden. Das britische Gesundheitsministerium hat im Januar Maßnahmen zum Gebrauch von medizinischen Einmalprodukten eingeleitet. Chirurgische Instrumente, die bei Mandeloperationen zum Einsatz kommen, sollen grundsätzlich nach Gebrauch beseitigt werden. Darüber hinaus wird die Ausweitung dieses Gebotes auf andere medizinische Instrumente in Betracht gezogen. Das teilte der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) im Rahmen seiner regelmäßigen "Re-Use News" mit. Anlass der britischen Maßnahmen ist die Verbreitung der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK).


Das britische Department of Health wird nun 25 Millionen Pfund allein in die Anschaffung der Einmalprodukte investieren. In einer Leitlinie sollen die medizinischen Einrichtungen zur Anwendung von Einmalprodukten in Hochrisikobereichen aufgefordert werden. Als besonders infektionsgefährlich mit Hinblick auf eine Übertragung von vCJK gelten chirurgische Eingriffe an den Mandeln, dem vorderen Augenbereich, dem Blinddarm und in der Neurologie. Weitere 200 Millionen Pfund sollen für Maßnahmen zur Verbesserung der Hygienestandards eingesetzt werden. Sollte die Krankheit auch auf dem Weg chirurgischer Instrumente übertragbar sein, so könnte dies eine umfassende Epidemie zur Folge haben, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Im vergangenen Dezember berichtete der "Spiegel" über den Fall eines CJK-Kranken, dem bei einer Gehirnoperation eine Elektrode ins Gehirn gesetzt wurde. Die Elektrode wurde nach Aufbereitung bei zwei weiteren Patienten verwendet, die ebenfalls erkrankten. Die Übertragung von Prionen direkt ins Hirn wird als effektivster Infektionsweg bezeichnet. In England brachte eine junge Britin, die an der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) erkrankt war, per Kaiserschnitt ein Baby zur Welt. Auch das Baby hat schwere neurologische Symptome. Mit dem gleichen OP-Besteck wurden bis zu zehn weitere Patientinnen behandelt. Diesen droht nun möglichweise ebenfalls die Gefahr, an vCJK zu erkranken. Die britische Gesundheitsbehörde MDA hat deshalb in ihrem "Device Bulletin" über die Wiederverwendung von Einmalprodukten vom August 2000 ein Kapitel dem Thema "Prionenerkrankungen" gewidmet, in dem sie die Schwierigkeiten schildert, Prionen mit herkömmlichen chemischen oder physikalischen Verfahren zu inaktivieren, und auf ihre Empfehlung verweist, Einmalprodukte unter keinen Umständen wieder zu verwenden.

Der BVMed spricht sich seit längerem gegen die Wiederaufbereitung von Medizinprodukten aus, die vom Hersteller nur zum Einmalgebrauch gekennzeichnet werden. Denn im Vordergrund der Überlegungen muss nach Ansicht des BVMed immer die Sicherheit und Gesundheit der Patienten und des medizinischen Personals stehen, nicht jedoch eine eventuelle Kostenersparnis durch eine Wiederaufbereitung. Detaillierte Informationen zum Thema sowie die "Re-Use News" befinden sich im Internet auf der Seite www.bvmed.de/reuse.htm.


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