Kardiologie

Implantierbare Defibrillatoren könnten auch in Deutschland noch mehr Leben retten / BVMed: Breiterer Einsatz der Defibrillator-Therapie darf nicht am Budget scheitern

20.11.2000 - 67/00

Wiesbaden. Der BVMed hat die Entscheidung der britischen Bewertungsorganisation „National Institute of Clinical Excellence“ (NICE) begrüßt, die Anwendungsrate für implantierbare Defibrillatoren (ICDs) zu verdreifachen. Obwohl Deutschland bei der Defibrillator-Therapie eine Spitzenstellung in Europa einnehme, könnte noch viel mehr Menschen, die dem erhöhten Risiko eines plötzlichen Herztodes ausgesetzt sind, geholfen werden. Der BVMed wies darauf hin, dass sich führende Kardiologen in Deutschland darin einig seien, dass zur Prävention des plötzlichen Herztodes der implantierbare Defibrillator medizinisch wesentlich wirksamer sei als die herkömmliche medikamentöse Behandlung.


Das britische NICE-Institut hatte vor wenigen Tagen vorgeschlagen, die Implantationsrate für Defibrillatoren von derzeit 17 auf 50 Implantationen pro Million Einwohner zu erhöhen, um den europäischen Durchschnitt zu erreichen. NICE empfahl der britischen Regierung, die entsprechenden finanziellen Mittel bereit zu stellen. Deutschland liegt zwar mit rund 70 Implantationen pro Million Einwohner bei der Versorgung der Patienten mit implantierbaren Defibrillatoren in Europa im Spitzenfeld, aber noch deutlich hinter den USA, die eine Rate von 150 bis 160 aufweist, sowie hinter einer den klinischen Erfordernissen entsprechenden Rate. 

Nach Ansicht des BVMed dürfe es unter der Prämisse, dass der Patient im Mittelpunkt des Gesundheitssystems stehe, nicht sein, dass die Implantationsrate aufgrund der sektoralen Budgetierung zum Jahresende drastisch zurückgehe. Entscheidend für die Defibrillator-Therapie müsse die medizinische Notwendigkeit sein, nicht wirtschaftliche Zwänge. Zu beachten sei auch, das Risikopatienten, die bereits einmal ein Kammerflimmern überlebt hätten, signifikant höhere Krankheitsraten aufweisen, was zu häufigeren Krankenhauseinweisungen und höheren Krankenpflegekosten führt. Insofern sei die Defibrillator-Therapie als Vorsorgemaßnahme auch wirtschaftlich sinnvoll. Hinzu komme der Aspekt, dass sich die Lebensqualität der Patienten durch einen ICD deutlich erhöhe.


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