Medizinprodukteindustrie

2009-03: Zukunftsbranche MedTech als Wachstumsmarkt und Hoffnungsträger

Gastbeitrag für die FAZ-Sonderveröffentlichung „Medizintechnik“ am 28./.29. März 2009 von Joachim M. Schmitt, Geschäftsführer & Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie, Berlin, März 2009

Exporteinbrüche, Umsatzeinbußen und Arbeitsplatzabbau: Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise ist in Deutschland angekommen. In ganz Deutschland? Nein, es gibt sie noch, die Wachstumsmärkte und Hoffnungsträger. Der Gesundheitsmarkt gehört dazu, insbesondere wenn die Leistungen von der Gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Und hier speziell der Markt für Medizintechnologien, der den Patienten vielfältige und moderne Produkte und Verfahren anbietet, die Leben retten, Gesundheit erhalten und Lebensqualität verbessern.

MedTech bleibt ein Wachstumsmarkt

Die Medizintechnik-Branche wird in Deutschland trotz des erhöhten Drucks ein Wirtschafts- und Jobmotor bleiben. Folgende wachstumsorientierten Faktoren tragen unter anderem dazu bei, dass die MedTech-Branche auch in Zukunft ein Wachstumsmarkt bleiben wird.

1. Der medizinisch-technische Fortschritt. Beispielsweise im Bereich der Implantate hat die Medizintechnologiebranche innovative Behandlungsmethoden entwickelt, die die Behandlung von Krankheitsbildern zulassen, die vor 10 oder 20 Jahren nicht behandelt werden konnten.

2. Die demographische Entwicklung ist ein zusätzlicher, nicht unerheblicher Faktor. Es gibt in Deutschland zunehmend mehr ältere Menschen.

3. Der Gesundheitsbegriff ist in Richtung mehr Lebensqualität erweitert worden. Patienten fragen Leistungen rund um ihre Gesundheit immer stärker selbst nach und sind bereit, für bessere Qualität und zusätzliche Dienstleistungen mehr zu bezahlen.

Die Folge: Der Bedarf an Gesundheitsleistungen wird weiter steigen. Davon profitieren auch die Unternehmen der Medizintechnologie.

Medizinprodukte umfassen eine große Bandbreite von medizintechnischen Produkten und Verfahren. Beispiele sind Geräte für Diagnostik, Chirurgie, Intensivmedizin, Implantate, Sterilisation sowie Verbandmittel, Hilfsmittel oder OP-Material. Die Welt der Medizintechnologien ist faszinierend. Kardiologische Implantate bringen schwache Herzen wieder in Rhythmus. Die Endoprothetik bringt kranke Gelenke zum schmerzfreien Bewegen. Künstliche Linsen und die refraktive Chirurgie bringen erblindete Augen zum Sehen. Moderne Implantate und Geräte bringen taube Ohren zum Hören.

Trends der Medizintechnologie

Die Entwicklung der Medizintechnologie ist mit dem Ende des 20. Jahrhunderts noch lange nicht beendet. Die meist forcierten Forschungsgebiete der Medizinprodukteindustrie sind aus Expertensicht die Orthopädie (v. a. Wirbelsäulenchirurgie und Biomaterialien), Kardiologie (v. a. Beschichtungsverfahren von Medizinprodukten und minimal-invasive Verfahren) und Innere Medizin (v. a. Endoskopie, Diabetes).

Die Medizintechnik-Studie des Bundesforschungsministeriums nennt als die drei wichtigsten Trends der Medizintechnik: Computerisierung, Miniaturisierung und molekulare Funktionalitäten. Die internationalen Entwicklungen in der Medizintechnologie sind u. a. gekennzeichnet durch fortschreitende Miniaturisierung, verstärkten Einsatz von IT-Technologien, die Entwicklung neuer Biomaterialien mit verbesserter Verträglichkeit und die Integration biotechnologischer Verfahren. Nur solche Entwicklungen werden dauerhafte Zukunftschancen für neue Produkte und somit zusätzliche sichere Arbeitsplätze bieten, die auch einen messbaren Beitrag zu größerer Leistungsfähigkeit oder Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen erbringen.

MedTech-Branche bietet Karrierechancen

Die Gesundheitswirtschaft ist bereits heute einer der wichtigsten und größten Teilmärkte der deutschen Volkswirtschaft. Insgesamt 4,4 Millionen Menschen arbeiten im Gesundheitswesen. Damit ist fast jeder neunte Arbeitsplatz in Deutschland in der Gesundheitswirtschaft angesiedelt.

Die Medizintechnikindustrie beschäftigt in rund 1.250 Betrieben (mit mehr als 20 Beschäftigten pro Betrieb) 95.000 Menschen. Hinzu kommen annähernd 10.000 Kleinunternehmen mit rund 75.000 Beschäftigten. Die Kernbranche beschäftigt damit insgesamt in Deutschland rund 170.000 Menschen in über 11.000 Unternehmen. Weitere 29.000 Mitarbeiter sind im Einzelhandel für medizinische und orthopädische Güter tätig. Etwa 15 Prozent der Beschäftigten sind im Bereich Forschung und Entwicklung (FuE) tätig – Tendenz steigend. Abgesehen von wenigen großen Unternehmen ist die Branche stark mittelständisch geprägt. 95 Prozent der Betriebe beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

Die beruflichen Einsatzfelder in der Medizintechnik sind breit gestreut. Gesucht werden spezialisierte Ingenieure, Medizintechniker und Feinmechaniker, Vertriebs- und Marketingexperten, aber auch Gesundheitsökonomen und Experten im Bereich Erstattung und Krankenkassenverträgen. Speziell in den Ingenieurbereichen der Medizin- oder Pharmatechnik herrscht nach wie vor ein Fachkräftemangel, so dass - kombiniert mit dem Wachstum der Branche - die Berufschancen sehr gut sind.

Die Karriereaussichten in unserer Branche sind augesprochen gut. Unsere Unternehmen bieten qualifizierten Mitarbeitern sowohl national als auch international interessante Perspektiven. Gerade unsere größeren deutschen Unternehmen globalisieren sich zunehmend und bieten damit internationale Aufstiegschancen.


Zum Autor: Joachim M. Schmitt ist Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) sowie Geschäftsführer von MedInform – Seminar- und Informations-Service Medizintechnologie mit Sitz in Berlin.

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