Erstattung von Medizinprodukten

2009-01: Ausblick auf 2009: Prozessoptimierung und Qualitätsorientierung können gemeinsam gelingen

Gastbeitrag für DeviceMed, Januar 2009, von Joachim M. Schmitt, BVMed-Geschäftsführer & Mitglied des Vorstands


Die Medizintechnik-Branche bleibt in Deutschland trotz des erhöhten Preisdrucks ein Wirtschafts- und Jobmotor. Nach einer aktuellen Umfrage des Bundesverbandes Medizintechnologie haben 55 Prozent der MedTech-Unternehmen 2008 gegenüber dem Vorjahr neue Arbeitsplätze geschaffen. Bei knapp 30 Prozent der Unternehmen blieb die Mitarbeiterzahl stabil. Insgesamt beschäftigt die Branche über 170.000 Menschen in Deutschland.

Wird die MedTech-Branche auch 2009 ein Jobmotor bleiben und den Wachstumskurs halten? Und das trotz der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise? Es gibt Gründe, weiterhin optimistisch zu sein. Denn insgesamt ist die Gesundheitsbranche sicherlich krisenfester als beispielsweise die Automobilbranche. Wir suchen uns ja nicht den Zeitpunkt aus, wann wir krank werden und eine Behandlung benötigen. Aber natürlich wird mit dem Ankommen der Finanzkrise in der Realwirtschaft auch unsere Branche betroffen sein, beispielsweise beim Kreditbedarf von Start-ups oder kleineren, innovativen Unternehmen.

Die insgesamt angespannte Stimmung spiegelt sich auch in den Ergebnissen unserer Umfrage wider. Das Umsatzwachstum ist aufgrund der anhaltenden Mengensteigerungen mit rund 5,4 Prozent noch recht gut - 2007 lag es bei 7 Prozent. Es wird aber durch den anhaltenden Preisdruck und die stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise kompensiert. Für 2008 erwarteten rund 37 Prozent der Unternehmen ein besseres Ergebnis gegenüber dem Vorjahr. Dagegen erwarten 28 Prozent der Unternehmen Verluste. Die Gewinnsituation der MedTech-Branche ist damit deutlich angespannt.

Prozessoptimierungen und Qualitätswettbewerb können gemeinsam gelingen

Wie wird 2009? Unser gemeinsames Ziel ist es, unsere Gesundheitsversorgung auf einem qualitativ hohem Niveau für alle finanzierbar zu halten. Dafür brauchen wir ständige Prozessoptimierungen und eine stärkere Qualitätsorientierung in der Gesundheitsversorgung. Das ist eine gemeinsame Aufgabe von Krankenkassen, Ärzten, Krankenhäusern und MedTech-Unternehmen. Wir brauchen den Wettbewerb um die bestmögliche medizintechnische Versorgung und müssen mit gemeinsamen Projekten dem Trend zur Billigmedizin entgegenwirken – zum Wohle der Patienten.

Das Jahr 2009 sorgt mit der Einführung des Gesundheitsfonds zwar für große Unsicherheiten. Es bietet aber auch die Gelegenheit, dass die Krankenkassen sich wieder stärker darauf besinnen, ihre Leistungen für die Patienten herauszustellen. Das erste Jahr der Fondseinführung bietet die Chance, neue Allianzen für optimierte Prozesse, verbesserte Qualität und medizinischen Fortschritt im Gesundheitsmarkt voranzutreiben. Dafür brauchen wir mehr Miteinander von Krankenkassen, Krankenhäusern, Ärzten und MedTech-Unternehmen, um eine qualitativ hochwertige Versorgung der Menschen mit modernen Medizintechnologien zu sichern.

Dazu müssten Kriterien für einen echten Qualitätswettbewerb entwickelt und konkret festgeschrieben werden. Ein positives Beispiel hierfür sind die Qualitätsstandards in der Hilfsmittelversorgung, die von den Leistungserbringern gemeinsam mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst entwickelt werden. Dazu gehören aber auch die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften sowie Projekte wie das Endoprothesenregister, die im Bereich der Versorgungsforschung neue Erkenntnisse bringen werden. Diese Entwicklungen müssten in die Arbeit des neuen Instituts für die sektorenübergreifende Qualitätssicherung einfließen.

Langfristiges Ziel muss es sein, die Verteilung der Mittel nicht nach den verschiedenen Versorgungsbereichen, sondern nach den medizinischen Erfordernissen, nach den Bedürfnissen der Patienten und nach Qualitätsparametern vorzunehmen. Wir brauchen Steuerungsinstrumente, die nicht dazu da sind, den Preis auf Kosten der Qualität weiter zu drücken, sondern die geeignet sind, Qualität messbar zu machen und gute Qualität zu vergüten. Und wir brauchen gemeinsame Projekte zur Prozessoptimierung. Das ist auch ökonomisch sinnvoll, da eine qualitativ hochwertige Versorgung hilft, Folgekosten zu vermeiden.

Hohe Branchendynamik erfordert schnellere Erstattungssysteme

Die Medizintechnologie ist eine dynamische und hoch innovative Branche. Bei Patenten und Welthandelsanteil liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die höchstens drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Aufgrund dieser Dynamik und Innovationsgeschwindigkeit ist es für die MedTech-Unternehmen umso wichtiger, dass neue Produkte und Verfahren zügig eingeführt werden können. Zur zügigen Erstattung von neuen Produkten und Verfahren der Medizintechnologie sind aus unserer Sicht folgende Punkte wichtig:

1. Wir setzen uns für eine weitere Verbesserung der Innovationsklausel des DRG-Systems ein. Um einen flexibleren und schnelleren Zugang zu medizinischem Fortschritt zu ermöglichen, schlägt der BVMed eine Vereinfachung und Entbürokratisierung bei der Vergütung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden nach dem Krankenhausentgeltgesetz vor.

2. Wir setzen uns für die Beibehaltung des Prinzips „Erlaubnis mit Verbotsvorbehalt“ im Krankenhausbereich ein. Dieses Prinzip ist wichtig für die Innovationskraft der Kliniken und der MedTech-Branche. Viele Innovationen finden zuerst im Krankenhaus ihre Anwendung. Medizintechnologische Innovationen im Krankenhaus werden zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung vergütet, solange keine negative Entscheidung des G-BA vorliegt. An diesem Prinzip muss im stationären Sektor festgehalten werden, um innovative Medizintechnologien in Deutschland allen Patienten, die sie benötigen, ohne Zeitverzögerung zur Verfügung zu stellen.

3. Bei den Verfahren der Technologiebewertung benötigen die Unternehmen der Medizintechnologie eindeutige, aber auch sachgerechte Vorgaben, was man im Rahmen der HTA-Verfahren wie bewerten will. Dann wird es auch gelingen, die Verfahren des Gemeinsamen Bundesausschusses zügiger abzuschließen.

4. Wir setzen uns für eine Flexibilisierung der Vergütungsregelungen ein. Wir sind für eine stärkere Eigenverantwortung der Versicherten. Wir sind für zeitbefristete Finanzierungsmodelle in ausgewählten Bereichen der Medizintechnik. Mit adäquaten Begleituntersuchungen können der Nutzen von Innovationen dokumentiert und den Patienten ein schnellerer Zugang ermöglicht werden. Wenn wir hier das System öffnen, dann werden die Krankenkassen künftig im Wettbewerb um die schnelle Innovationseinführung stehen.

Wenn wir Innovationen fördern, dabei koordinierter vorgehen und Qualitätsaspekte stärker berücksichtigen, dann werden die MedTech-Unternehmen auch im Jahr 2009 zum Wohle der Patienten ein Motor der Gesundheitswirtschaft sein.

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