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BVMed intern
2001: Rede der BVMed-Vorstandsvorsitzenden Cornelia Gröhl zur außerordentlichen BVMed-Mitgliederversammlung am 25. September 2001 in Berlin
Meine Damen und Herren,
im April 2001 habe ich Ihnen bereits einen ausführlichen Tätigkeits- und Rechenschaftsbericht des BVMed-Vorstands gegeben. Heute will ich mich auf die wesentlichen gesundheitspolitischen Entwicklungen konzentrieren und Ihnen im zweiten Teil einen kleinen Themenausblick auf die nächsten Monate und das kommende Jahr geben.
1. Aktuelle Gesundheitspolitik
Hinter uns liegt ein heißer gesundheitspolitischer Sommer. Vor uns liegt ein Bundestagswahlkampf, der die Gesundheitspolitik noch weiter in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken wird. Das ist Risiko und Chance zugleich. Das Ziel des BVMed ist es, die Chancen wahrzunehmen, die sich durch eine aktive Beteiligung ergeben, und die Risiken weitestgehend zu eleminieren.
Keine Frage: Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist unter Druck geraten.
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Sie hat zunächst darauf verzichtet, noch vor der Bundestagswahl eine "große Gesundheitsreform" anzupacken und sich stattdessen auf mehrer kleine Reformpakete gestürzt, um schnell Erfolge vorweisen zu können. |
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Die Beitragserhöhungen durch einige große gesetzliche Krankenkassen - beispielsweise die AOK Hessen - haben jedoch große Unruhe in die Diskussion gebracht, denn der Grundsatz der Beitragssatzstabilität scheint bei der rot-grünen Bundesregierung nach wie vor Priorität zu genießen. |
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Hinzu kommen völlig unterschiedliche gesundheitspolitische Ansichten in den eigenen SPD-Reihen. |
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Vor wenigen Tagen wurde dann bekannt gegeben, dass sich das Defizit der Gesetzlichen Krankenversicherung im ersten Halbjahr 2001 auf 5 Milliarden Mark angehäuft hat. |
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Damit nicht genug. Aufgrund der derzeitigen Wirtschaftsentwicklung und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit ist in absehbarer Zeit auch nicht mit einer signifikanten Verbesserung der Einnahmenseite zu rechnen. |
All diese Punkte machen deutlich, dass eine Gesundheitsreform dringend erforderlich ist.
Warum brauchen wir eine Reform? Das Problem ist eigentlich einfach geschildert: Weil die Einnahmenentwicklung der solidarisch finanzierten Gesetzlichen Krankenversicherung mit der gestiegenen Nachfrage nach Gesundheitsleistungen durch die demographische Entwicklung und den medizinischen Fortschritt nicht mithalten wird.
Wir müssen über neue Finanzierungsmodelle nachdenken und sie dann auch einführen. Mit einem "Weiter so" werden wir Rationierungen nicht mehr vermeiden können. Das kann aber niemand wollen.
Runder Tisch
Ministerin Schmidt hat auf diese Herausforderung mit der Berufung eines "Runden Tisches" reagiert. Hier wird seit vier Monaten im Dialog mit den wichtigsten Beteiligten über die Lösung der langfristigen Probleme im Gesundheitswesen diskutiert. Lösungsvorschläge für eine Modernisierung im Gesundheitswesen sollen möglichst im Konsens erarbeitet werden.
Die Arbeitsebene des Runden Tisches besteht aus sechs Arbeitsgruppen zu den Themen:
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1. Zukunft der Arznei- und Heilmittelversorgung unter Einbeziehung der Hilfsmittel |
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2. Zukunft der Versorgung in Krankenhäusern |
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3. Strategien zum Ausbau sektorübergreifender Versorgungsformen |
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4. Weiterentwicklung der Qualität der Gesundheitsversorgung unter Nutzung evidenzbasierter Medizin und Pflege (Leitlinien) |
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5. Konzepte zur Stärkung der Prävention |
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6. Zukunft der ambulanten Versorgung |
Vor einigen Jahren hätte der BVMed diese Entwicklung von außen beobachtet und vorliegende Ergebnisse im Nachhinein kommentiert. Die Zeiten haben sich zu unseren Gunsten geändert.
Der BVMed war von Anfang an in das Konzept des Runden Tisches einbezogen und hat einen festen Sitz in diesem wichtigen Gremium.
Für das politische Gewicht des BVMed und für die Anerkennung der Bedeutung der Medizinprodukteindustrie ist das ein immens wichtiger Erfolg.
Dieser Erfolg geht natürlich über die Rolle des BVMed hinaus. Es ist auch eine erhebliche Aufwertung der Medizinprodukteindustrie im öffentlichen Raum insgesamt. Der BVMed sieht diese Entwicklung als Chance der zukünftigen partnerschaftlichen Mitgestaltung des Gesundheitswesens.
Um ein konkretes und korrektes Abbild der gesamten Medizinprodukteindustrie sicherzustellen, haben wir uns gleich nach der Berufung des BVMed mit den anderen maßgebenden Verbänden der Medizintechnik in Verbindung gesetzt und ein "Koordinierungsmodell" ins Leben gerufen.
Der vom BVMed gegründete Koordinierungskreis Medizinprodukteindustrie erarbeitete gemeinsam mit den beteiligten Industrieverbänden ZVEI, F+O sowie VDGH und seinen angeschlossenen Medizinprodukteherstellern die Stellungnahmen zu den Arbeitsgruppen und deren Themenschwerpunkten.
Ziel dieser Kooperation ist es, die aus den Arbeitsergebnissen gewonnenen Anregungen und Vorstellungen aufzugreifen und damit die optimale Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigen Medizinprodukten zu gewährleisten.
Heute können wir eine positive Bilanz dieser Zusammenarbeit ziehen. Die Industrie hat an einem Strang gezogen und die Eigenständigkeit und kompetente Mitgestaltung der Medizintechnologiebranche unterstrichen. Dies ist ein gutes Modell für die künftige Zusammenarbeit auch auf anderen Themengebieten.
Weniger zufrieden sind wir mit der ersten Bilanz des Runden Tisches.
Beim Runden Tisch geht es uns darum, visionäre, kreative und innovative Ansätze für das Gesundheitssystem im Jahre 2010 zu entwickeln. Drei Punkte sind wichtig:
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Erstens: Bedarfsklärung. Welche Gesundheitsleistungen wollen wir den Menschen in einem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem zur Verfügung stellen? Diese Frage verlangt eine Antwort darauf, was medizinisch notwendig ist. |
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Zweitens: Qualität. Welche Qualität wollen wir den Patienten zur Verfügung stellen? Hier brauchen wir zum Beispiel klare Kriterien, was ausreichend und zweckmäßig ist. |
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Drittens: Finanzierung. Wie kann dieser Bedarf in der gewünschten Qualität finanziert werden? Dabei soll zunächst ein solidarisch ausgelegtes Finanzierungssystem der Ausgangspunkt sein. Sicherlich muss man auch über Alternativen und ergänzende Finanzierungssysteme nachdenken. |
Aus unserer Sicht ist dieser Ansatz, zunächst die Gesundheitsziele zu definieren und erst anschließend das Thema Finanzierung anzugehen, vielversprechend.
Allerdings ist nach unserer Ansicht die bisherige Einteilung der Arbeitsgruppen des Runden Tisches wenig zielführend. Die Einteilung der Themen nach den bestehenden Strukturen trägt nicht dazu bei, innovative Ansätze losgebunden vom bestehenden System zu entwickeln. Die Medizinprodukteindustrie schlägt daher vor, sich von der sektoralen Betrachtungsweise zu lösen. Wir schlagen folgende drei Kernthemen für die künftige Arbeit des Runden Tisches statt der bisherigen sechs Arbeitskreise vor:
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1. Durchgängige Patientenversorgung unter der Berücksichtigung der ambulanten, stationären und integrierten Versorgung |
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2. Qualität und Innovation unter Berücksichtigung von evidenzbasierter Medizin, |
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3. Stärkere Ausrichtung auf Prävention |
Wir haben zu diesen Punkten gemeinsam mit den anderen beteiligten Verbänden ein erstes internes Diskussionspapier erarbeitet, das wir Ihnen bei Interesse gerne zusenden.
Wie auch immer die Arbeit des Runden Tisches weitergehen wird: Die Beteiligung der Medizinprodukteindustrie als vollwertiges und gleichberechtigtes Mitglied neben der Pharmaindustrie ist ein großer Erfolg.
DRG-Einführung
Ein weiteres gesundheitspolitisches Kernthema in diesen Monaten ist die Einführung des neuen Entgeltssystems im Krankenhaus, dem DRG-System.
Das Bundeskabinett hat Ende August das neue Fallpauschalengesetz verabschiedet und für das parlamentarische Verfahren den Weg freigemacht. Den aktuellen Zeitplan für die Einführung des Fallpauschalensystems können Sie dem Chart entnehmen.
Grundsätzlich begrüßt der BVMed die Einführung des DRG-Vergütungssystems als einen Schritt in die richtige Richtung. Der geplante Anpassungsprozess mit dem Ziel der einheitlichen Preisbildung und der damit verbundenen Transparenz für alle Beteiligten kann dazu beitragen, vor allem die Qualität und Leistungsfähigkeit der Krankenhausversorgung zu sichern und auszubauen.
Die Transparenz durch das DRG-System wird dazu führen, erstmalig im Krankenhausbereich den notwendigen Einblick in die vorhandenen Kostenstrukturen zu erreichen. Das ist ein revolutionäres Angebot und ein effektives Instrumentarium, um die in der Gesundheitspolitik immer wieder zitierten Ineffizienzen zumindest teilweise sichtbar zu machen.
Zieht man hieraus die notwendigen und richtigen Konsequenzen, so werden diese kurzfristig sicherlich bei Vielen "schmerzliche Eingriffe" bedeuten. Volkswirtschaftlich verheißen sie aber nur Gutes, nämlich Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen – und damit auch Qualitätssteigerungen zum Wohl der Patienten.
Nun kommt es auf die konkrete Ausgestaltung an.
Im Mittelpunkt der Beteiligung des BVMed an den aktuellen Gesetzgebungsverfahren stehen
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der gesundheitspolitische Dialog mit den relevanten Institutionen, |
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das direkte Einbringen unserer branchenpolitischen Vorstellungen sowie |
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die Erarbeitung von Stellungnahmen zu den Gesetzentwürfen. |
Besonders wichtig war für uns von Anfang an die gesetzlich festgeschriebene Beteiligungsmöglichkeit der Medizinprodukteindustrie an der Pflege und Weiterentwicklung des DRG-Systems. Das war bereits mit dem ersten Arbeitsentwurf des Gesundheitsministeriums sichergestellt – ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer Anerkennung der Bedeutung der Medizinprodukteindustrie für das Gesundheitssystem.
Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es, dass innovative Medizintechnologien möglichst schnell und flexibel eingeführt werden können. Wenn Sie an die Mitgliederversammlung im April zurück denken, dann hat uns Georg Baum vom Gesundheitsministerium dies damals zugesichert – und er hat Wort gehalten.
Das Fallpauschalengesetz sieht die Einführung von flexiblen Lösungen zur Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts vor, die wir ausdrücklich begrüßen. Wir befürworten die im Gesetz vorgesehene flexible Reaktionsmöglichkeit, damit die örtlichen Vertragsparteien unter Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts und der am Anfang eventuell auftretenden Lücken des Fallpauschalenkatalogs Vergütungslösungen finden können.
Konkret sieht das Gesetz vor, dass die Vertragspartner vor Ort ab 2005 zeitlich befristete fallbezogene Entgelte vereinbaren können für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die in den bestehenden Fallpauschalen noch nicht abgebildet werden.
Das ist die gute Nachricht. Nun die weniger Gute: Damit verbunden ist eine automatische Veranlassung eines Bewertungsverfahrens durch den Bundesausschuss Krankenhaus.
Auch das wird von uns grundsätzlich nicht abgelehnt. Der BVMed fordert allerdings, die Mitwirkung der Medizinprodukteindustrie im Bewertungsverfahren in den Bundesausschüssen sicherzustellen.
Hierzu haben wir dem Gesundheitsministerium und der Selbstverwaltung auch einen konkreten Vorschlag unterbreitet:
Die Beteiligung sollte unserer Ansicht nach so gestaltet werden, dass die Medizinprodukteindustrie einen von ihr benannten medizinischen Experten zu den jeweiligen Verfahren dem Bundesausschuss beratend zur Verfügung stellt.
Die Mitwirkungsmöglichkeit der Industrie durch eine fallbezogene Expertenbenennung wäre ein wichtiger Schritt hin zu mehr Offenheit und Transparenz und damit zu mehr Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.
Die Forderung nach Beteiligung der Medizinprodukteindustrie gilt auch für das Verfahren im Rahmen des Health Technology Assessment – kurz: HTA -, das von den Bundesausschüssen zur Bewertung miteinbezogen wird.
Fazit:
Das politische Gewicht des BVMed ist in der Öffentlichkeit in den letzten Monaten erheblich gestiegen.
Der feste Sitz am Runden Tisch, die Beteiligung an der Weiterentwicklung des DRG-Systems und die gestiegene Medienpräsenz durch den Umzug der Geschäftsstelle nach Berlin zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Eine der Grundlagen dieser Lobbyerfolge ist sicherlich die PR-Kampagne zur Bedeutung von Medizinprodukten und innovativen Medizintechnologien für das deutsche Gesundheitswesen, die wir im letzten Jahr starteten.
Am Anfang der Kampagne stand eine umfassende Studie zur Bedeutung der Medizinprodukteindustrie mit zahlreichen Fallstudien.
Wir haben die Kampagne in diesem Jahr fortgeführt: mit weiteren Fallbeispielen innovativer Medizintechnologien und mit dem Kunstprojekt, das heute Abend eröffnet und – das kann man aufgrund der teilnehmenden Medien schon jetzt sagen – in der Öffentlichkeit stark beachtet wird.
Diese Projekte haben wir gemeinsam mit den Verbänden AdvaMed, EUCOMED, EDMA und VDGH sowie der PR-Agentur Edelman durchgeführt.
Hinzu kommen ergänzende Aktivitäten des BVMed. Als Beispiele nenne ich:
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den zweiten "Innovationskongress Medizintechnologien - Patienten und innovative Medizintechnologien im Spannungsfeld von Budgetierung und Rationierung", der morgen in Berlin stattfinden wird; |
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Fachaufsätze zur Bedeutung innovativer Medizintechnologien auf deutsch und englisch, |
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den webbasierten Innovationspool mit derzeit 78 Beiträgen oder |
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unsere neue Broschüre zu Fallstudien innovativer Medizintechnologien, die durch eine weitere Internetseite zu den Fallstudien ergänzt wird. |
Wichtig ist für uns, dass in der öffentlichen Diskussion innovative Medizintechnologien nicht mehr nur als Kostentreiber dargestellt werden. Dies ist eine einseitige und in vielen Fällen unrichtige Sichtweise.
Zunächst einmal haben innovative Medizintechnologien dazu beigetragen, die Lebenserwartung und die Lebensqualität von Millionen von Patienten in Deutschland zu erhöhen.
Darüber hinaus leiten Fortschritte in der Medizintechnologie durchaus auch eine neue Gesundheitsökonomie mit verbesserter Qualität der Gesundheitsversorgung und niedrigeren Ausgaben ein. Viele Innovationen, beispielsweise die minimalinvasive Chirurgie, führen zu einer Verringerung der Liegezeiten im Krankenhaus und damit zu einer wirtschaftlicheren Versorgung der Patienten bei gleichzeitiger Qualitätsverbesserung.
Durch Fortschritte in der Medizintechnologie können wir Krankheiten früher feststellen und sie auch einfacher und schneller behandeln. So können oft Folgekosten vermieden werden. Wir können effektivere und weniger invasive Behandlungs- und Operationsmethoden zur Verfügung stellen, die Genesungszeiten reduzieren und den Patienten ermöglichen, viel schneller wieder arbeiten zu können.
Wir müssen die Krankheitskosten als Ganzes sehen. Wir müssen weg von dem dominanten Denken in kurzfristigen Abrechnungszeiträumen der Krankenkassen. Dann treten auch die Einsparpotentiale durch innovative Medizintechnologien in den Vordergrund.
Unsere Kernbotschaft lautet:
Innovative Medizinprodukte und Medizintechnologien sind unverzichtbar für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung der Bevölkerung: Sie können Leben retten und erhalten, den Ausbruch oder die Verschlimmerung von Krankheiten verhindern sowie die Lebensqualität erheblich verbessern.
Zusätzlich zu diesem Patientennutzen können innovative Medizintechnologien durch eine wirtschaftlichere Versorgung der Patienten dazu beitragen, die Mittel im Gesundheitswesen effektiv und effizient einzusetzen, was gleichzeitig auch Produktivitätssteigerungen und einen erhöhten volkswirtschaftlichen Nutzen bedeutet.
2. Ausblick: Themen 2002
Meine Damen und Herren,
die Themen, die ich eben skizziert habe,
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Gesundheitsreform / Runder Tisch |
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Einführung der DRGs / Technologiebewertung (HTA) |
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Bedeutung innovativer Medizintechnologien |
sind aus gesundheitspolitischer Sicht auch die wichtigsten Themen für das Jahr 2002.
Natürlich beschäftigen unsere Branche aber auch noch weitere, speziellere Themen, die ich Ihnen mit einem Blick auf das nächste Jahr kurz skizzieren will. Es sind dies die Themen
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Änderung des Medizinproduktegesetzes, |
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Wiederaufbereitung von Medizinprodukten, |
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Elektronische Kommunikation bzw. E-Commerce sowie |
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Therapie und Pflege im häuslichen Bereich (Homecare). |
Änderung des Medizinproduktegesetzes
Beginnen will ich mit dem Zweiten Änderungsgesetz zum Medizinproduktegesetz. Es befindet sich zurzeit in der "heißen" Phase des Gesetzgebungsverfahrens. Nachdem der Bundesrat am 1. Juni 2001 seine formale Stellungnahme zum Änderungsgesetz abgegeben hat, ist nun der Bundestag gefragt. Morgen findet die Anhörung der Fachverbände durch den Bundestagsausschuss "Gesundheit" im Berliner Reichstag statt. Der BVMed ist dabei auch aktiv beteiligt.
Unter anderem werden wir im heutigen Anhörungsverfahren fordern, dass Wiederaufbereiter von Einmalprodukten die gleichen hohen Standards erfüllen sollen wie die Hersteller. Dies muss unserer Ansicht nach im Gesetz festgeschrieben werden – auch unter Berücksichtigung von Haftungsfragen
Neben der Einführung neuer Vorschriften, die das Inverkehrbringen von In-vitro-Diagnostika, also Reagenzien und Laborgeräten, betrifft, dient das Zweite MPG-Änderungsgesetz auch der "Verschlankung" des Medizinproduktegesetzes. Das Gesetz, das im Januar 2002 in Kraft treten soll, enthält dann nur noch 44 statt 60 Paragraphen.
Im neuen Medizinproduktegesetz soll auch die Werbung für Medizinprodukte neu geregelt werden. Sie wird - verglichen mit dem Recht der Werbung für Arzneimittel - liberalisiert. Hierzu ist ein neuer BVMed-Leitfaden "Werbung für Medizinprodukte" in Vorbereitung, der Anfang des nächsten Jahres erscheinen und Sie genauer über dieses wichtige Thema informieren wird.
Zum Themenkomplex "Medizinprodukterecht" werden in den nächsten Monaten zwei Veranstaltungen stattfinden:
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Am 6. November in Bonn eine BVMed-Sonderveranstaltung zum Medizinproduktegesetz in der praktischen Umsetzung. |
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Und am 15. Januar 2002 ebenfalls in Bonn zu den praktischen Konsequenzen des Zweiten MPG-Änderungsgesetzes". |
Wiederaufbereitung von Einmalprodukten
Ein zweites wichtiges Thema habe ich eben schon kurz angerissen: die Wiederaufbereitung von Einmalprodukten. Im Rahmen seiner Kommentierung des geplanten MPG-Änderungsgesetzes hat der BVMed speziell zu dieser Problematik im Juni diesen Jahres Stellung bezogen.
Wir haben dabei gegenüber allen Mitgliedern im Gesundheitsausschuss des Bundestages für strengere Regelungen plädiert. Parallel dazu kam es zu Einzelkontakten und Gesprächsrunden mit interessierten Abgeordneten.
Mit einem Verbot der Wiederaufbereitung von Einmalprodukten kann nicht gerechnet werden. Der BVMed setzt sich aber weiterhin dafür ein, dass Patienten nicht durch die Wiederverwendung gebrauchter Einmalprodukte zu Schaden kommen – und dass die Hersteller im Falle von Vorkommnissen mit diesen Produkten nicht zu Unrecht zur Verantwortung gezogen werden. Hilfestellung geben dabei die neuen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts über die "Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten".
Die Empfehlungen vom August diesen Jahres entstanden unter maßgeblicher Kommentierung des BVMed. Sie formulieren, vergleichsweise detailliert, die Anforderungen, die Aufbereiter von Medizinprodukten zu erfüllen haben, und zwar gestaffelt nach der "Aufbereitbarkeit" der Produkte. Wenn jetzt noch sicher gestellt werden kann, dass diese Empfehlungen konsequent zur Anwendung kommen, so sind wir in Sachen Patientensicherheit und Gerechtigkeit für die Hersteller doch ein Stück weiter gekommen.
Auch zu diesem Themenkomplex noch ein Veranstaltungshinweis:
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Am 11. Oktober findet in Bonn eine MedInform-Veranstaltung über "Möglichkeiten und Grenzen" der Wiederaufbereitung statt. |
Elektronische Kommunikation bzw. E-Commerce
Prozesskostenoptimierung durch Standardisierung elektronischer Geschäftsdaten und Beschaffungsprozesse ist und bleibt ein Dauerthema.
Dazu gehören
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Artikelidentifizierungssysteme wie die Strichcodes von EAN und HIBC oder |
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elektronische Geschäftsprozesse über das Internet, also E-Commerce. |
Durch die zunehmende Standardisierung der neuen Internet-"Sprache" XML wird die elektronische Kommunikation durch die Möglichkeit der direkten Internet-Nutzung auch für kleinere Krankenhäuser möglich, die nicht in aufwendige EDI-Hardware investieren können.
Eine interessante Entwicklung gab es in den letzten Monaten bei den elektronischen Marktplätzen. Viele Anbieter mit Geschäftsmodellen, die gegen die Hersteller gerichtet waren, sind schnell wieder vom Markt verschwunden.
Übrig geblieben sind zwei Anbieter, die von Herstellerseite initiiert wurden, Vamedis und Global Health Care Exchange, sowie Medicforma und Medvantis. Interessant wird es, wenn im nächsten Jahr die ersten Pilotprojekte mit Krankenhäusern abgeschlossen sein werden.
Homecare
Ich möchte noch ein weiteres Thema erwähnen, das uns im nächsten Jahr beschäftigen wird: der Bereich Homecare. Es geht dabei um die Betreuung und therapeutische Versorgung zu Hause mit vergleichbarer Qualität wie in der Klinik. Typische Beispiele für Homecare-Therapien sind die Heimdialyse, parenterale und enterale Ernährung, die Stoma- und Inkontinenztherapie oder der Bereich Beatmungstherapie.
Von besonderer Bedeutung wird auch in diesem Bereich die Einführung der DRGs in Deutschland sein. Ein pauschalierendes Entgeltsystem im Krankenhaus wird dazu führen, dass Patienten schon nach kürzerer Verweildauer als bisher aus dem Krankenhaus entlassen werden. Diese Patienten müssen im häuslichen Bereich weiter versorgt werden.
Für die Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, eröffnet das völlig neue Perspektiven. Die Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus wird sich neu gestalten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Krankenhaus, dem nachversorgenden Arzt, dem Homecare-Leistungserbringer und den ambulanten Pflegediensten ist erforderlich.
Somit werden integrierte Versorgungssysteme an Bedeutung gewinnen. Bisher beschränkte sich die Diskussion dieser Versorgungssysteme auf die Vertragsgestaltung zwischen Ärzten, Kassenärztlichen Vereinigungen und Kostenträgern.
Der BVMed wird sich hier für eine praktikable Umsetzung dieser Versorgungssysteme einsetzen, bei denen insbesondere die Interessen der Industrie- und Handelsunternehmen berücksichtigt werden.
Auf lange Sicht werden sich sogenannte
Patienten-Managementsysteme entwickeln, bei denen die Industrie- und Handelsunternehmen die zentrale Rolle übernehmen.
So weit mein gesundheitspolitischer Bericht, der Ihnen die wichtigsten Themen und die entsprechenden Aktivitäten des BVMed näherbringen sollte. Wir haben in diesem Jahr wichtige Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Verbandes gestellt.
Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Geschäftsstelle in Berlin, die mit dem Umzug in den letzten Monaten eine besondere Herausforderung glänzend gemeistert haben.
Meine besondere Anerkennung möchte ich unserem Geschäftsführer, Herrn Schmitt, aussprechen. Er hat das BVMed-Schiff souverän und erfolgreich in einen neuen Hafen gelenkt. Und für mich besteht kein Zweifel daran, dass wir im neuen Berliner Hafen noch erfolgreicher, effizienter und effektiver arbeiten werden.
Herr Schmitt wird Ihnen nachher die Lage und die Organisation der neuen Geschäftsstelle noch genauer erläutern und Ihnen das BVMed-Team persönlich vorstellen, damit Sie sich die neuen Gesichter besser einprägen können.
Ich freue mich gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen darauf, auch weiterhin eng mit Ihnen für die Ziele des BVMed und der gesamten Medizintechnologie-Branche zusammenzuarbeiten.
Vielen Dank.
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