Innovationen

Tag der Epilepsie am 5. Oktober - BVMed: Schneller Patientenzugang zu innovativen Medizintechnologien sicherstellen

01.10.2003 - 64/03

Berlin. Zum Welttag der Epilepsie am 5. Oktober hat der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, einen schnelleren und besseren Patientenzugang zu bestehenden neuen Behandlungsmethoden der Medizintechnologie gefordert. Als Beispiel nannte der BVMed die neue medizintechnische Behandlungsmethode der Nervus-Vagus-Stimulation zur Epilepsie-Behandlung, deren Wirksamkeit in großen internationalen Studien nachgewiesen sei und die stärker im Versorgungssystem berücksichtigt werden müsse, so der BVMed.


Epilepsie ist in jedem Land die am meisten verbreitete schwerwiegende Hirnkrankheit. Die Häufigkeit des Auftretens von Epilepsien beträgt weltweit etwa 1 Prozent der Bevölkerung ohne deutliche Unterschiede zwischen den Kontinenten. In Deutschland gehen Experten von 400.000 bis 800.000 Epilepsiekranken aus. Erkrankungsgipfel finden sich dabei im ersten Lebensalter und ab dem 65. Lebensjahr. Bei Epilepsien handelt es sich um wiederholt und meist spontan auftretende Anfälle aufgrund abnormaler neuronaler Entladungen im Gehirn. Die medikamentöse Behandlung stößt dabei auf Grenzen. Es wird geschätzt, dass etwa 30 Prozent aller Patienten mit Epilepsie eine pharmakoresistente Epilepsie haben.

Eine neue Behandlungsmethode ist hierbei die so genannte Vagus-Nerv-Stimulation. Heutzutage bietet die chirurgische Resektion von anfallsverursachendem Hirngewebe eine gute Chance, aber nur für ca. 20 Prozent der Patienten mit einer pharmako-resistenten Epilepsie. Ist eine chirurgische Behandlung nicht möglich oder hat sie nicht zum Erfolg geführt, steht  die Vagus-Nerv-Stimulation zur Verfügung. Es handelt sich bei dieser neuen Behandlungsmethode um die Stimulation des linken Nervus Vagus mit einem im Brustbereich implantierten Schrittmacher von der Größe eines Herzschrittmachers. Das Gerät ist über eine Reizelektrode mit dem linken Nervus Vagus im Halsbereich verknüpft. Es stimuliert im Regelfall alle fünf Minuten für dreißig Sekunden. Nach bisher vorliegenden Daten und Erfahrungen bei weltweit etwa  17.000 Patienten liegt die Wirksamkeit der Vagus-Nerv-Stimulation in der Größenordnung der Wirksamkeit eines neuen Antiepileptikums, ohne aber dessen Nebenwirkungen zu haben. Die Wirksamkeit entwickelt sich im Laufe des ersten Jahres. Nach ein bis zwei Jahren kann es noch zu einer wesentlichen Verbesserung der Anfallssituation kommen.

Kosten/Nutzen-Studien in Großbritannien, Schweden und Belgien zeigen, dass nach drei bis vier Jahren ein eindeutiger „Kostenbenefit“ besteht. Allein bei den direkten Kosten konnten durch die verbesserte Anfallssituation und die somit wegfallenden Krankenhaus- und Medikamentenkosten rund 3.000 Euro pro Jahr eingespart werden.


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