Innovationen

Aktuelle Studien zur Herzinsuffizienz beweisen hohe Wirksamkeit von innovativen Medizintechnologien zur Behandlung der Herzschwäche

04.08.2004 - 49/04

Berlin. Aktuelle Studienergebnisse beweisen erneut die hohe Wirksamkeit von Medizintechnologien zur Behandlung der Herzschwäche. Die Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) oder implantierbare Defibrillatoren (ICD) vergrößern die Überlebenschance von schwer und mittelschwer Betroffenen enorm. Darauf hat der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, im Vorfeld des europäischen Kardiologenkongresses (ESC - European Society of Cardiology) vom 28. August bis 1. September 2004 in München hingewiesen.


Trotz großer Fortschritte in der medikamentösen Therapie ist die Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz noch immer unakzeptabel hoch. Jeder dritte schwer Betroffene stirbt innerhalb eines Jahres nach der Diagnose. 40 Prozent dieser Patienten erleiden den plötzlichen Herztod durch Kammerflimmern. Dank innovativer Medizintechnologien muss die schwere Herzinsuffizienz heute jedoch kein Todesurteil mehr sein. 

So ist beispielsweise der Nutzen implantierbarer Defibrillatoren (ICD) für Menschen mit eingeschränkter Pumpfähigkeit des Herzens, z. B. nach einem Infarkt, wissenschaftlich längst anerkannt. Obwohl die kleinen Lebensretter den Herzstillstand zu 99 Prozent verhindern, erhält in Europa nicht einmal jeder zehnte Patient mit dieser Indikation einen ICD. Für neue Diskussionen sorgen die auf dem ACC-Kongress in New Orleans  vorgestellten Daten der so genannten SCD-HeFT-Studie. Selbst bei erweitertem Indikationsspektrum konnte nachgewiesen werden, dass die Sterblichkeitsrate von Patienten mit einem implantierten ICD gegenüber Placebo um 23 Prozent reduziert wurde. Angesichts solcher Ergebnisse dürfte es nicht nur den Ärzten, sondern auch den Versicherungsträgern immer schwerer fallen, den in Frage kommenden Patienten diese lebensrettende Therapie vorzuenthalten, so der BVMed.

Aufsehen erregt auch die jüngst im New England Journal of Medicine veröffentlichte COMPANION-Studie: Mit einem Schrittmacher, der zwei Therapieprinzipien vereint, lässt sich das Todesfallrisiko bei schwerer Herzschwäche um bis zu 36 Prozent senken. Das Kombinationsgerät sorgt nicht nur für einen regelmäßigen, gesunden Herzschlag (kardiale Resynchronisation), es verhindert durch einen zusätzlichen Defibrillator auch den Herztod durch akutes Kammerflimmern. Die so behandelten Patienten haben eine höhere Lebenserwartung, sie sind leistungsfähiger und belastbarer. Experten hoffen nun, dass diese Behandlungsform aufgrund der neuen Daten in die Leitlinien der Deutschen Kardiologischen Gesellschaft aufgenommen werden. Zwei von drei Patienten würden davon profitieren.

Herzinsuffizienz ist gefährlicher, als gemeinhin angenommen wird: Die Überlebensraten sind niedriger als bei den meisten Krebserkrankungen. Die Krankheit beginnt langsam – Hauptsymptome sind im Lauf der Zeit dramatisch zunehmende Atemnot, Müdigkeit und Leistungsschwäche. Jedes Jahr gibt es allein in Deutschland ca. 250.000 Neuerkrankungen und ca. 60.000 Todesfälle – mit steigender Tendenz. „Angesichts dieser Zahlen ist es kaum nachvollziehbar, dass wirksame Therapien wie die kardiale Resynchronisation und die Defibrillation noch immer nur einem Bruchteil der Patienten zugänglich sind, die sie benötigen“, so der BVMed. Er fordert die Entscheidungsträger aus Politik, Kliniken und Kassen auf, gemeinsam Lösungswege aus der bestehenden Kostenproblematik zu entwickeln.


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