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Gesundheitspolitik
BVMed regt an, die einmal angedachte "Reformwerkstatt" mit Leben zu erfüllen: Offene Diskussion über den Solidaritätsbegriff und den GKV-Leistungskatalog
10.02.2000 - 9/00
Klar sei, dass die am 1. Januar 2000 in Kraft getretene GKV-Reform zwar auch gute Ansätze enthalte, aber nicht die Frage nach der künftigen Finanzierbarkeit des Krankenversicherungssystems beantworte. Der BVMed-Geschäftsführer nannte drei Faktoren, die dazu führen, dass sehr bald erneut über eine grundsätzliche Reform des Systems gesprochen werden müsse.
1. Die demographische Entwicklung: Immer mehr Menschen, die immer älter werden.
2. Der geänderte Gesundheitsbegriff: Der Gesundheitsbegriff ist in den letzten Jahren immer mehr erweitert worden - hin zum subjektiven Wohlbefinden. Die Ansprüche der Menschen sind also gestiegen.
3. Der medizinische Fortschritt: Neue Produkte und Verfahren ermöglichen neue Behandlungsmöglichkeiten, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. Gerade in der Medizinprodukteindustrie ist der medizinische Fortschritt durch Innovationen enorm. Dieser Fortschritt kommt natürlich dem Patienten zugute, sorgt aber auch für deutlich mehr Fälle und damit Ausgabensteigerungen auf der Kassenseite trotz sinkender Preise bei den eingesetzten Medizinprodukten.
Das bisherige Verständnis von Solidarität in der GKV lautet, dass die Krankenkassen das von allen beanspruchte Höchstmaß an medizinischer Versorgung bezahlen. Die Sorge der Industrie sei, dass die Finanzierung der medizinischen Versorgung aufgrund der genannten Faktoren auf Dauer nicht mehr haltbar sei, so Schmitt. Dies würde dann negative Auswirkungen auf medizinische Innovationen haben. "Wir brauchen deshalb ein neues ethisches Verständnis und eine Neudefinition des Begriffs 'Solidarität'. Wir müssen den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung klar und eindeutig definieren. Außerdem müssen alle Beteiligten gemeinsam versuchen, messbar zu machen, wieviel medizinische Versorgung notwendig ist."
Der BVMed-Geschäftsführer regte an, die von Gesundheitsministerin Andrea Fischer einmal ins Spiel gebrachte "Reformwerkstatt" aller Beteiligten unter Einbeziehung der Industrie mit Leben zu erfüllen.
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