Festbeträge

Sinkende Festbeträge gefährden Versorgung von Krebspatienten: Preispolitik der Spitzenverbände der Krankenkassen führt zu abnehmender Versorgungsqualität im Deutschen Gesundheitswesen und zu weiteren Aufzahlungen für die Versicherten

08.07.2004 - 44/04

Berlin. Die bundesweite Anpassung der Festbeträge im Hilfsmittelbereich, die im Rahmen der Gesundheitsreform beschlossen wurde, führt laut Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) zu erheblichen Qualitätseinbußen im Deutschen Gesundheitswesen. Die Hilfsmittel-Branche erwartet, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen die Anpassung zu weiteren Kostensenkungen nutzen werden. Dem BVMed zufolge haben die Spitzenverbände angekündigt, die Kostenerstattung z. B. für Stoma-Hilfsmittel um über fünfzehn Prozent zu reduzieren. Der vorliegende Entwurf würde nur die reinen Produktleistungen abdecken - für bislang freiwillig erbrachte Beratungs- und Betreuungsdienste wäre kein finanzieller Spielraum mehr vorhanden.


Beratung und Betreuung sind wichtige Bausteine der Qualitätssicherung

Für über 100.000 Stomaträger - Patienten mit einem künstlichen Darmausgang - bedeuten sinkende Festbeträge einen Einschnitt in die Versorgungsqualität oder zusätzliche Aufzahlungen von durchschnittlich fünfzig Euro pro Monat. „Der bisherige Behandlungserfolg, der auf professioneller Beratung und Betreuung durch Homecare-Unternehmen basiert, wird durch die geplante Festbetragsreduzierung leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, folgert Andreas Joehle, Vorstandsmitglied des BVMed und Geschäftsführer der Coloplast Deutschland GmbH. Die Betroffenen – von denen achtzig Prozent Krebspatienten sind – seien laut Olaf Kelz, Vorstandsmitglied des Bundesinnungsverbands Orthopädie-Technik, zwingend auf eine aktive Unterstützung qualifizierter medizinischer Fachkräfte im klinischen sowie im ambulanten Bereich angewiesen. Der ambulante Versorgungsbedarf wird sich vor dem Hintergrund der Einführung von Fallpauschalen im Krankenhausbereich künftig noch weiter erhöhen.

Homecare-Dienstleister rechnen mit Umsatzeinbrüchen

Zum dritten Mal seit 1993 sollen die Festbeträge für Hilfsmittel in den kommenden Wochen gesenkt werden. Setzen sich die Spitzenverbände mit ihrem Entwurf durch, so liegt das künftige Preisniveau um sechzig Prozent niedriger als 1993. Die Branche rechnet mit Umsatzeinbußen sowie zahlreichen Insolvenzen. Joehle blickt kritisch in die Zukunft: „Die Investitionen von Industrie und Homecare-Unternehmen können bei einer nochmaligen Senkung nicht mehr im medizinisch notwendigen Umfang erbracht werden. Auch wird es Einschnitte bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung geben. So sind nicht nur die Patienten, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze von der Preispolitik der Krankenkassen bedroht“.

Hinweis:

Zu diesem Thema fand in Berlin ein gemeinsames Pressegespräch von BIV, BVMed und DVET statt. Zu dem Pressegespräch konnen Sie folgende Unterlagen aufrufen:

- "Factsheet" zu Stoma
- Statement Andreas Joehle, BVMed
- Statement Olaf Kelz, BIV
- Felicita Schwarzt, DVET
- Elfriede Becker, Patientin

Digitales Bildmaterial zu Stoma sowie zum Pressegespräch können beim BVMed,
beeres@bvmed.de, Tel. 030 - 246 255-20, angefordert werden.


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