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E-Commerce
MedInform-Veranstaltung "E-Commerce im Gesundheitsmarkt" E-Commerce-Pilotprojekte von Krankenhäusern zeigen Chancen auf / Mangelnde Standardisierung als größte Herausforderung
01.03.2002 - 15/02
Die Helios Kliniken und die AGKAMED – K-E-L-M, die Pilotprojekte mit elektronischen Marktplätzen durchgeführt haben, riefen die Krankenhäuser und Hersteller dazu auf, ihre Zurückhaltung aufzugeben und gemeinsam Standards zu entwickeln. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass künftig die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Marktplatz ein Vergabekriterium werden könne. Deshalb müssten Lösungen gemeinsam, in Kooperation der Krankenhäuser, Hersteller und Dienstleister, vorangetrieben werden. Gebe es auch in einigen Jahren noch mehrere E-Marktplätze, so könne die Lösung ähnlich wie im Telekommunikationsmarkt in Gateways zwischen den verschiedenen Plattformen liegen, um Daten auszutauschen. „E-Commerce ist eine Investition in die fernere Zukunft. Heute und morgen sind es noch Zusatzkosten“, so das Fazit von Joachim M. Schmitt, BVMed-Geschäftsführer und Moderator der Konferenz.
Manfred Beeres, Leiter Kommunikation des BVMed, gab einführend einen Überblick über die Entwicklung der E-Commerce-Projekte. Der Ernüchterung durch den Einbruch am Neuen Markt und durch zahlreiche Firmenpleiten stehe die Chance gegenüber, nun über realistische Konzepte zu sprechen, um die Beschaffungsprozesse zu optimieren. „E-Commerce wird kommen und die vorhandenen Kundenbeziehungen optimieren sowie zu Einsparungen führen.“ Aber bevor E-Commerce funktioniere, müssten die Hausaufgaben gemacht werden, insbesondere die Standardisierung des Artikelkatalogs.
Prof. Dr. Ursula Hübner, Inhaberin des Lehrstuhls für Krankenhausinformatik an der Fachhochschule Osnabrück, stellte eine Fallstudie vor, die mit einer krankenhausbeliefernden Apotheke mit 300 Mitarbeitern und 30 Krankenhauskunden sowie einem Kreiskrankenhaus ohne eigenes Warenwirtschaftssystem durchgeführt wurde. Die Schwachstellenanalyse ergab eine mangelnde Transparenz der Daten mit einer zeitintensiven Prüfung offener Posten und Bedarfsermittlung, eine mangelnde Aktualität von Katalogen sowie eine lange Zeitspanne - im Durchschnitt über 19 Stunden bei 200 untersuchten Fällen - von Aufgabe bis Ankunft der Bestellung. Im Rahmen der Fallstudie wurde eine schlanke und pflegeleichte E-Commerce-Lösung installiert. Das Fazit der Studie: Eine preiswerte E-Commerce-Einstiegslösung für Krankenhäuser, die dennoch zu erheblichen Arbeitsverbesserungen in den Bereichen Kataloge und Bestellstatus führen kann, ist möglich. Potentiale ergeben sich vor allem im Bereich Rechnungswesen und Controlling. Die Chance liege in der Transparenz und Aktualität des gesamten Prozesses. Das größte Hemmnis sei das mangelnde Vorhandensein von Standards.
Die technologischen Rahmenbedingungen für E-Commerce im Healthcare-Bereich zeigte der Technologieberater Dr. med. Dirk Elmhorst auf. Sein Plädoyer: Nicht alles, was an E-Commerce-Lösungen offeriert wurde oder wird, ist auch sinnvoll. „Die Auswahl einer IT-Lösung ist immer ein nachgeordneter Prozess. Zunächst muss geklärt werden, welche Abläufe sich wie effizienter gestalten lassen. Dabei sollte die gesamte Prozesskette und nicht nur ein Teil davon betrachtet werden.“ Das Internet sei dabei eine geeignete Technologie zur Optimierung der Prozesse. Es biete den Vorteil eines etablierten Standards für den Datenaustausch, der nahezu überall verfügbar sei und damit kostengünstig ermögliche, völlig unterschiedliche Systeme miteinander zu verbinden. Während das herkömmliche EDI (Electric Data Interchange) nur bestehende Teilprozesse 1:1 elektronisch nachbilde, können durch Internet-Technologien komplexe Gesamtprozesse reorganisiert werden. Für eine Prozessoptimierung sei es aber unabdingbar, standardisierte Formate für den Datenaustausch festzulegen.
Praxisberichte aus den Krankenhäusern
Für Günter Stelzer, Einkaufsleiter der Helios Kliniken GmbH in Fulda, ist Grundvoraussetzung für die Einführung einer E-Procurement-Lösung, dass der Datenaustausch automatisiert und ohne Medienbruch in beide Richtungen erfolge. Die Stammdatenpflege müsse dabei der Hersteller übernehmen. Die Aktualität von Stammdaten müsse sichergestellt sein, um Fehler beim Datenaustausch zu vermeiden. Wichtig sei auch, dass der Anwender beim E-Procurement in der Arbeitsoberfläche des Materialwirtschaftssystems bleiben könne, um ein einfaches Handling zu gewährleisten. Im Rahmen eines Pilotprojekts haben sich die Helios Kliniken für die Einführung der GHX-Lösung im gesamten Klinikverbund bei voller Integration in SAP R/3 entschieden. Ein hoher Aufwand stellt die Stammdatenpflege sowie der Aufbau eines gemeinsamen, hausübergreifenden Katalogs dar. Hier biete GHX eine komfortable Lösung der Stammdatenpflege, die den internen Aufwand der Datenpflege mittelfristig überflüssig mache. Stelzers Fazit: Der interne Überzeugungsaufwand, die Einbindung aller entscheidenden Fachbereiche und die konsequente Umsetzung bei der Einführung einer E-Procurement-Lösung machen das Projekt zu einer hohen Herausforderung für alle Beteiligten. „Innovative Wege muss man gemeinsam beschreiten und sich ihre Vorteile zu nutze machen.“ Die interne Vorarbeit habe zwei Jahre gedauert, um das Produktsortiment von 25.000 Artikeln auf 8.500 Artikel und die Zahl der Lieferanten zu reduzieren. Die Helios-Klinikenkette betreibt insgesamt 21 Häuser mit 1,1 Mrd. DM Umsatz.
Ulrich Schiedek, Geschäftsführer der AGKAMED - K-E-L-M GmbH mit Sitz am Elisabeth Krankenhaus in Essen, arbeitet für 43 Krankenhäuser mit insgesamt 17.500 Betten. Ziele eines E-Commerce-Projekts sind die Festlegung von Standards, der marktgerechte und günstige Einkauf von qualitativ hochwertigen Medizinprodukten sowie die Optimierung der Prozessabläufe. „In den Prozessen steckt sehr viel Geld, das verschleudert wird. Die Bestellprozesse sind teilweise viel zu kompliziert“, so Schiedek. Die AGKAMED habe sich beim Pilotprojekt für Medicforma entschieden, da Commerce One ein weltweit führender technologischer Standard sei und die Plattform für Herstellerunabhängigkeit stehe und mit Bertelsmann einen starken Partner habe. Seit Oktober 2001 seien 13 Mio. DM Umsatz über die Plattform bzw. den Zentralrechner gelaufen. Die beteiligten Unternehmen haben einen Marktanteil von rund 13 Prozent. Als Erfolgsfaktoren für die E-Commerce-Lösung sieht Schiedek die Einmalerfassung und Online-Verfügbarkeit aller relevanten Daten, transparente Prozesse und die durchgängige Prozesskettenabbildung auf Internet-/Intranettechnologie an. Wichtig sei eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Industrie. „Die Hersteller müssen ihre Zurückhaltung aufgeben und die bestehenden Marktplätze müssen gemeinsame Standards entwickeln“, so Schiedeks Appell.
Weiterentwicklung der elektronischen Marktplätze
Ein weiterer Themenschwerpunkt der E-Commerce-Konferenz war die Vorstellung des aktuellen Entwicklungsstands der drei derzeit im Markt etablierten elektronischen Marktplätze.
vamedis* (www.vamedis.net): Vorstandsvorsitzender Jürgen Timm beschrieb die Neupositionierung des Unternehmens nach dem Zusammengehen von Vamedis mit Glomedix. Vamedis verstehe sich als IT-Dienstleister für den gesamten Beschaffungsprozess. Der Fokus liege auf der Vernetzung der Marktteilnehmer. Man übernehme keine Händlerfunktion, keine Bündelungs- bzw. Preisverhandlungen. Die Initiatoren der vamedis* deckten bereits ca. 40% des europäischen Marktes von Medikalprodukten ab. „Plattformen, die von Lieferanten unterstützt werden, haben die Vorteile der soliden Finanzierung und des langen Atems“, so Timm. Als Vorteil durch die Vamedis-Nutzung nannte er reduzierte Abwicklungskosten, verbesserte Qualität durch verringerte Fehlerquote, transparentere Prozesse, multimediales Produktmarketing, erweiterter Marktzugang sowie verbesserter Marktüberblick. Der aktuelle Stand: vamedis verfügt derzeit über 24 aktive Lieferantenpartner, die 40.000 Produkte in der Datenbank gelistet haben. Beim Transaktionsservice wurden über 30 Verträge mit Krankenhäusern abgeschlossen.
GHX - Global Healthcare Exchange (www.ghx.com): GHX bietet eine hochentwickelte Technologie zur Vereinfachung von Geschäftsprozessen und zur Erhöhung der Wertschöpfung in der Beschaffungskette für alle beteiligten Partner. Nach Auskunft von Annette Höinghaus, Country Managerin Deutschland, vereint GHX 140 Mitgliedsfirmen, darunter 17 der 20 weltweit größten Hersteller. Evaluierungen gebe es mit mehr als 200 Krankenhäusern durch die rund 160 GHX-Mitarbeiter im Technologiebereich. In den USA sind bereits 400 Kliniken angeschlossen. In Deutschland sollen in diesem Jahr 100 Kliniken integriert werden. „Allerdings darf die Herausforderung, eine Klinik komplett anzuschließen, nicht unterschätzt werden. Der Zeitrahmen für die Einführung einer E-Procurement-Lösung liegt anhand bisheriger Erfahrungen zwischen 6 und 12 Monaten“, so Höinghaus. Effizienzsteigerungen würden nur durch einen allgemein anerkannten Katalogstandard erreicht! Ein international anerkannter Standard muss Basis für den Katalog sein. Für Kliniken und Hersteller ist das Pflegen und Verwalten von verschiedenen Katalogsystemen mit unterschiedlichen Artikelhierarchien ineffizient und erhöht die internen Kosten.
Medicforma (www.medicforma.com): Geschäftsführer Olaf Lodbrok stellte Medicforma als einen elektronischen Marktplatz für Gesundheitsprodukte und einen Betreiber von E-Procurement-Systemen auf der Grundlage des Commerce One-Systems vor. Auch Medicforma mische sich nicht in den Preisfindungsprozess ein. Der Fokus liege darauf, komplexe Geschäftsprozesse zu optimieren. Derzeit habe Medicforma rund 40 Kliniken mit 23.000 Betten sowie über 15 Lieferanten mit rund 13 Prozent Marktanteil unter Vertrag und verfüge über 32 Mitarbeiter. Die reine Implementierungsdauer betrage ca. zwei Wochen.
Die beiden Podiumsdiskussionen mit Krankenhäusern und Plattformanbietern wurden von dem E-Health-Experten Hauke Gerlof von der Ärzte Zeitung moderiert.
Zum Abschluss der Konferenz stellten Hans-Joachim Müncheberg und Dr. Frank Wolf von der Unternehmensberatung Accenture eine E-Business-Studie zu Herausforderungen und Chancen für mittelständische Medizinprodukteunternehmen vor. Die befragten Unternehmen sehen die größten Herausforderungen in der Differenzierung ihrer Angebote und in der Begegnung des Kostendrucks im Gesundheitswesen. Steigende geplante Ausgaben für E-Business in der Zukunft zeigen, dass die Unternehmen weiterhin diesen Bereich als wichtig erachten. Bei den als nützlich erachteten E-Business-Modellen dominieren einfache Nutzungsmöglichkeiten. Business to Business-Lösungen findet man dagegen seltener. Um auch in Zukunft am Markt erfolgreich zu sein, gilt es nach Ansicht von Accenture für mittelständische Unternehmen, eine klare Nischen- oder Differenzierungsstrategie zu verfolgen. Die Umsetzung der E-Business-Strategie sollte durch ein unternehmensspezifisches Portfolio von unternehmensinternen Lösungen, öffentlichen Marktplätzen, Konsortialmarktplätzen sowie privaten Marktplätzen erfolgen.
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