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E-Commerce
E-Commerce im Gesundheitsmarkt: Große Einsparpotenziale für Krankenhäuser und Hersteller durch elektronische Prozesse
29.09.2000 - 54/00
Im Einleitungsreferat betonte Manfred Beeres, Leiter Kommunikation/Presse beim BVMed, die große Bedeutung des Internets für das Gesundheitswesen. Allein in Deutschland gäbe es bereits 2.000 Internetangebote mit Gesundheitsinformationen im weitesten Sinn. Während Gesundheitsinformationen von Patienten immer stärker nachgefragt werden, sei aber nur rund ein Drittel der niedergelassenen Ärzte im Netz. Von den 2.300 deutschen Krankenhäusern würden nur 15 % das Internet als Marketinginstrument oder zur Informationsbeschaffung nutzen. Weniger als 5 % hätten konkrete Vorstellungen von E-Commerce.
Bei den elektronischen Geschäftsprozessen zwischen Anbietern und Kunden im Gesundheitswesen müsste Wert auf die gesamte Kette „Krankenhaus - Dienstleister – Hersteller“ gelegt werden, um eine Prozessoptimierung zu erreichen. Verschiedene Studien belegen folgende Einsparpotenziale, so Beeres:
15 bis 25 % der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen durch konsequente Nutzung des Internets für Geschäftsprozesse (Quelle: Arthur D. Little);
3,6 Mrd. US-Dollar jährlich für den gesamten Gesundheitsbereich bei Umstellung auf elektronische Bestellungen (Quelle: Ernst & Young);
3,3 Mrd. Euro im Jahr alleine in Deutschland durch konsistent elektronische Prozesse innerhalb der Beschaffungskette (Quelle: Praxisline.de);
80 % der Bestellkosten bei konsequenter Beschaffung der Waren über das Internet (Quelle: Prof. Dr. von Eiff/CKM).
Peter Löbus, Mitglied des Vorstands des Verbandes Deutscher Krankenhausdirektoren (VKD) und Verwaltungsdirektor des Klinikums Bernburg, nannte als angestrebtes Ziel für E-Commerce aus Sicht der Krankenhäuser die Verringerung von Personalkosten, die Senkung von Logistikkosten, die Reduzierung von Materialverbräuchen, die Senkung von Umlaufvermögen sowie die Nutzung der Chancen von elektronischen Handelsplattformen. Die Informationsrevolution durch innovative elektronische Medien bringe Transparenz in die Kosten- und Leistungsstruktur im Gesundheitssektor. Die Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung würden mit wachsender Netzwerkarchitektur zwischen den Leistungsanbietern verwischen. Dennoch werde es wohl kaum gelingen, die Gesamtkostenentwicklung abzufangen, ohne die Versicherten selbst mit in die Verantwortung zu nehmen.
Aus Sicht der Hersteller formulierte Cornelia Gröhl, BVMed-Vorstandsvorsitzende und Mitglied der Geschäftsführung der Ethicon GmbH, fünf Erfolgsfaktoren für Internet-Handelsplattformen: kritische Masse, Unabhängigkeit, Marktkenntnisse, Integration für die Kunden sowie Effizienzsteigerung. Von besonderer Bedeutung sei also die Attraktivität der Plattform für den Kunden, denn letztendlich werde der Kunde über den Erfolg eines Portals entscheiden. Innovative E-Health-Plattformen könnten das Gesundheitswesen insgesamt einfacher, schneller, transparenter und effizienter machen sowie die Kommunikation und Information verbessern.
Eine zweistündige Podiumsdiskussion, moderiert von Angelika Beyer-Rehfeld, Chefredakteurin der „krankenhaus umschau“, brachte Krankenhausvertreter, Ärzte, Dienstleister und Hersteller zusammen. Die Teilnehmer - neben Peter Löbus und Cornelia Gröhl, Sana-Einkaufsleiter Christoph von Wrisberg, Chefarzt Jürgen Heuser, Praxisline-Geschäftsführer Ulrich Kesselberg sowie Dr. Achim Jäckel vom Deutschen Medizin Forum – verdeutlichten, dass es bei den Handelsplattformen nicht um die Veränderung der derzeitigen Geschäftsbeziehungen, sondern in erster Linie um eine Prozessoptimierung gehe. Dies sei im Interesse der Hersteller und der Krankenhäuser. Eine gute Plattform müsse dabei in jedem Fall ein effizientes Logistikangebot und eine entsprechende IT-Struktur enthalten.
Auf der MedInform-Veranstaltung präsentierten sich – wie bereits auf der ersten E-Commerce-Konferenz im März 2000 – zahlreiche Internetplattform-Anbieter:
Vorstandsmitglied Dr. Michael Trampert präsentierte GloMediX, einen europäischen Internetmarktplatz für das Gesundheitswesen. Die GloMediX-Funktionen umfassen Transaktion (Rubrik „Bestellen“), Information und Kommunikation („Information“) sowie Interaktion („Forum“). GloMediX will Krankenhäusern, Rehakliniken und Pflegeinrichtungen ein innovatives und effizientes Beschaffungswesen ermöglichen.
Global Health Care Exchange wurde von Marketing-Manager Robert Gerber vom Firmensitz in Chicago vorgestellt. GHCX hat ein Startkapital von 135 Mio. US-Dollar und vereint mittlerweile mehr als 40 internationale Hersteller von medizinischen Produkten. Der Schwerpunkt der Plattform liegt auf Prozessoptimierung. Die langjährig gewachsenen Kontakte zwischen Industrie und Krankenhaus sollen weiter ausgebaut und nicht an Dritte „ausgelagert“ werden, so Gerber.
Die Vamedis AG i.G., vertreten durch Stefan Widensohler, Geschäftsführender Gesellschafter von KRAUTH medical, will das Standard-Gesundheitsportal werden. Vamedis ist eine Initiative von sieben führenden europäischen Herstellern. Vamedis will ein umfassendes vertikales Internetportal im Gesundheitswesen werden, das alle Apekte von „E-Health“ umfasst: Inhalte, Kommunikation und Transaktion. Eine offene Technologieplattform soll alle bestehenden Systeme integrieren.
gmps – Global Medical Product Services will nach Ansicht von Geschäftsführer Michael Krüger aktuelle und präzise Informationen über Beschaffungsvorhaben in den Märkten geben und damit den Herstellern helfen, ihre Vertriebsorganisationen effizienter einzusetzen und neue Märkte zu erschließen.
Rechtsanwalt Dr. Ulf Heil erläuterte zum Abschluss der MedInform-Veranstaltung „E-Commerce im Gesundheitsmarkt“ die rechtlichen Rahmenbedingungen für Online-Marktplätze für Medizinprodukte, von der E-Commerce-Richtlinie und Online-Verträgen über die elektronische Unterschrift bis hin zum Datenschutz. Beim Absatz von Medizinprodukten über das Internet gelten die allgemeinen Regeln für den Vertrieb von Medizinprodukten. Allerdings müssten auch beim Internetvertrieb die Anforderungen des Medizinproduktegesetzes an Dokumentation und Archivierung, beispielsweise für die Rückverfolgbarkeit des Vertriebsweges, beachtet werden. Bei der Werbung für Fachkreise wies Dr. Heil darauf hin, dass auch die Werbung für Medizinprodukte im Internet dem Heilmittelwerbegesetz unterliege.
Die Informationsmappe zur E-Commerce-Veranstaltung mit allen Präsentationen kann für 230 DM zzgl. 16 % MwSt. bei MedInform,
Tel. (030) 28041653, E-mail medinform@bvmed.de, bestellt werden.
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