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E-Commerce
Dritte E-Health-Konferenz von MedInform in München: Prozessoptimierung durch E-Procurement kann langfristig zu Einsparungen führen
16.03.2001 - Nr. 17/2001
Klar sei, dass beide Seiten "Hausaufgaben" zu machen haben und sich bei der Prozessoptimierung als Partner verstehen müssen. Eine große Herausforderung ist dabei die Standardisierung der Prozesse, beispielsweise der elektronischen Kataloge. Welches "Erfolgsmodell" sich auf der Seite der Internetplattform- und Marktplatzanbieter durchsetzen wird, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden, so die Experten vor rund 170 Teilnehmern.
Im Einleitungsreferat gab Manfred Beeres (Leiter Kommunikation/Presse beim Bundesverband Medizintechnologie (BVMed)) einen Überblick über die Entwicklung der E-Commerce-Geschäftsmodelle im Medizinproduktebereich. Standen in der ersten Euphoriephase "Communities" und "Powershopping" im Fokus, so gehe es nun - nach dem Zusammenbruch der Aktien am Neuen Markt - um realistischere Modelle, die den Schwerpunkt auf der Prozessoptimierung haben. Die Zukunft liege dabei in der Kooperation der "alten" mit der "neuen" Wirtschaft. Verschiedene Studien und Prognosen zeigten, dass sich durch eine Optimierung der Beschaffungsprozesse zwischen Krankenhäusern und Herstellern durch E-Commerce Milliardensummen einsparen ließen. Dabei müsse die gesamte Prozesskette beachtet werden: Einkauf, Beschaffung, Materialwirtschaft und Logistik.
Prof. Dr. Erhard Brandt (Technischen Fachhochschule Berlin) erläuterte anhand der von seinem Institut durchgeführten Untersuchungen und Befragungen in Krankenhäusern die möglichen Kostensenkungspotentiale durch E-Commerce-Lösungen. Ein klassischer Bestellvorgang im Krankenhaus dauerte nach den durchgeführten Studien rund 210 Minuten. Die Vollkosten pro Beschaffungsvorgang bei Stapelprodukten (sog. Commodities, C-Artikel) würden bei rund 386 DM liegen. Bei Investitionsgütern seien diese Kosten noch erheblich höher. Nach vorsichtigen Schätzungen lassen sich nach Ansicht von Prof. Brandt 40 Prozent der Kosten durch E-Procurement einsparen. Daneben könne auch eine Erhöhung der Beschaffungsqualität realisiert werden. Allerdings sei nicht jeder Bestellvorgang für eine E-Commerce-Lösung geeignet. Es müsse zunächst untersucht werden, für welche Beschaffungsvorgänge E-Procurement betriebswirtschaftlich sinnvoll sei.
Die Realisierung von Einsparungspotentialen hält Prof. Brandt innerhalb von zwei bis fünf Jahren für möglich. Der Umbau der Einkaufsabteilung vom operativen zum strategischen Einkauf müsse dabei in verschiedenen Stufen erfolgen. Da die Veränderungen auch Beratungsaktivitäten erforderlich machen, sei in der Umstellungsphase sogar mit einem Kostenanstieg zu rechnen. Fazit: "Einsparungserfolge in diesen Größenordnungen von 40 Prozent oder höher lassen sich jedoch nur erreichen, wenn aus einer E-Commerce-Lösung eine E-Procurement-Lösung wird. Nur E-Procurement umfasst sämtliche Teilprozesse des Beschaffungsvorgangs."
Matthias Gösch (Lufthansa Systems AS, Hamburg) berichtete über ein realisiertes Electronic Procurement-Projekt bei einem Unternehmen mit bundesweit über 100 Pflegeeinrichtungen. Ein Bestellvorgang habe in diesen Einrichtungen im Durchschnitt 104 Minuten gedauert und rund 150 DM gekostet. Nach der Einführung einer E-Procurement-Lösung sei die Bearbeitungszeit auf 23 Minuten und die Kosten auf rund 34 DM reduziert worden. Durch die Zeitersparnis könne sich der Einkauf auf seine Kernkompetenzen konzentrieren.
Große Kostensenkungspotentiale über eine Optimierung der Prozesskosten bei der Beschaffung sieht Dr. Stefan Drauschke (Geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für Ökologistik und Engineering (G.Ö.K.), Berlin) bestenfalls für Stapelprodukte (C-Artikel), bei denen der Aufwand der Beschaffung sehr hoch, der Wert des Produktes jedoch gering sei. Vor allem der operative Einkauf könne durch E-Procurement-Maßnahmen optimiert werden. Im strategischen Einkauf sei ein Umdenken der Einkäufer erforderlich, Stichwort: "Category Management". Einsparpotentiale sieht Dr. Drauschke vor allem in den externen und internen Prozesskosten des Krankenhauses.
Jürgen Scholl (Geschäftsführer SHC GmbH (Siemens Health Communications) und PLC GmbH) stellte Erfolgsfaktoren für E-Commerce zwischen Krankenhäusern und Herstellern aus Sicht eines Technologieanbieters vor. Im Mittelpunkt der Plattform von SHC/PLC stehe die Optimierung der vorhandenen Geschäftsprozesse bei Kunden und Lieferanten, die Unterstützung und Sicherung der vorhandenen Marktstrukturen sowie die Neutralität gegenüber allen Handelspartnern im Gesundheitswesen. Wichtig sei es, alle gängigen Materialwirtschaftssysteme einzubinden und die Konvertierung der angelieferten Datensätze in das vom Empfänger gewünschte Format vorzunehmen. Dies sei die Kernkompetenz von SHC/PLC, die man Portalen zur Verfügung stellen könne. Aus seiner Sicht müsste die Rolle der Portale dann der "Added Value", der zusätzliche Nutzen für die Teilnehmer des Portals sein.
Am Nachmittag der Veranstaltung präsentierten sich insgesamt sechs E-Commerce-Plattformen und Marktplätze mit ihren Konzepten und ersten konkreten Projekten. Die Anbieter mit ihren Internetadressen in der Reihenfolge des Auftritts:
Medicforma: www.medicforma.com (präsentiert von Olaf Lodbrok, Geschäftsführer medicforma.com GmbH, Dortmund)
Smartmission: www.smartmission.com (präsentiert von Dr. Paul Gromball, Vorstandsvorsitzender smartmission AG)
Vamedis: www.vamedis.net (präsentiert von Dr. Hendrik Rosenboom, COO, Vamedis AG, München)
Global Healthcare Exchange: www.ghxeurope.com (präsentiert von Annette Höinghaus, Country Managerin Deutschland, Global Healthcare Exchange, Hamburg)
GloMediX: www.glomedix.com (präsentiert von Dr. Michael Trampert und Dr. Tillmann Frank, Co-Founder und Vorstand, GloMediX AG, München)
Praxisline: www.praxisline.de oder www.showcase.praxisline.de (präsentiert von Uwe Meyer-Vogelgesang, Geschäftsführer, Praxisline GmbH, Wiesbaden)
In zwei Podiumsdiskussionen, moderiert von Prof. Dr. Brandt und Dr. Drauschke, wurden insbesondere die Positionen der Krankenhäuser deutlich. Werner Föhrenbach (Leiter Einkauf und Materialwirtschaft des Universitätsklinikums Freiburg) sieht große Chancen in der Standardisierung von Prozessen: "Wir brauchen Standards in der Kommunikation". Mit Blick auf die Transaktionsplattformen seien die Neutralität des Dienstleisters, der größte Partnerschaftseffekt und die beste Schnittstellenlösung entscheidend. Für Rolf Kleehammer (Einkaufsleiter Klinikum Karlsbad) stehen die Prozesskosten im Vordergrund. Eine optimale E-Commerce-Lösung müsse insbesondere die Verbindung des krankenhausinternen Warenwirtschaftssystems mit der Transaktionsplattform gewährleisten. Einsparungspotentiale würden von den Krankenhäusern nicht bestritten werden, es bestehe aber noch ein erheblicher Nachholbedarf, um die Schnittstellen zwischen Krankenhäusern und Herstellern zu bedienen, so das Fazit der Podiumsdiskussionen von Prof. Dr. Brandt.
Die vollständige Veranstaltungsmappe mit allen Vorträgen kann über MedInform c/o BVMed, Reinhardtstr. 29b, 10117 Berlin, E-Mail medinform@bvmed.de, 115 Euro zzgl. MwSt. und Versandkosten bestellt werden.
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