Patientengeschichten

Klaus Müller

Künstliches Herz

59 Jahre
geschieden, zwei Töchter
pensionierter Maurermeister


Patientengeschichte
:

Im April 1991 wurde Herrn Müller aufgrund von Herzkammerflimmern ein implantierbarer Schrittmacher (ICD, reguliert über die Funktion eines Herzschrittmachers hinaus mittels elektrischer Schocks auch die Herzfrequenz)eingesetzt. 1997 musste dieser wegen Batterieverschleiß gegen einen neuen Defibrillator ausgetauscht werden. Am Pfingstsonntag 1999 wurde Herr Müller mit akuter Luftnot von der Feuerwehr in das Jüdische Krankenhaus in Berlin eingeliefert. Die Diagnose lautete auf ein zu großes Herz verbunden mit schlechter Pumpfunktion. Daraufhin entschloss man sich im Deutschen Herzzentrum Berlin, Herrn Müller im Juli 2000 auf die Warteliste für eine Herztransplantation zu setzen.

Im September erhielt Herr Müller nachts einen Anruf, dass ein Spenderorgan zur Transplantation bereit stünde.  Er wurde sofort ins Krankenhaus eingeliefert und auf die Transplantation vorbereitet. Wenige Stunden später die enttäuschende Nachricht: Das Spenderorgan sei zu schlecht, man könne es ihm nicht implantieren. Nach ein paar Tagen wurde Herr Müller der Vorschlag gemacht, sich eine Herzpumpe, das sogenannte „Lion Heart“, implantieren zu lassen.

Nachdem er sich beim Spezialisten alle Details hatte erklären lassen, stimmte er einem solchen Eingriff zu. Das „Lion Heart“ wurde ihm am 12. Oktober 2000 eingesetzt.
Nach gut drei Monaten wurde Herr Müller aus dem Krankenhaus und der anschließenden Rehabilitation entlassen. 

Herr Müller hat sich mittlerweile an seine eingeschränkte Mobilität gewöhnt und kann das „Lion Heart“ völlig selbstverständlich bedienen: Dazu gehören die Hygiene am aufgesetzten Ring sowie das regelmäßige Wechseln der Akkus im 1,5-Stunden-Takt.
Er strahlt Lebensfreude aus, wenn er am Klavier seine Schlager spielt oder völlig eigenständig seinen Haushalt führt.

„Es war herrlich, ich bekam wieder Luft und meine Trinkbeschränkung auf einen Liter pro Tag wurde aufgehoben.“


Interview im Rahmen des Kunstprojekts "Künstler treffen Patienten":

Wie sind Sie zum Kunstprojekt gekommen?

Klaus Müller:  Vielleicht, weil ich eine Art Vorzeigeobjekt bin. Das Kunstherz befindet sich ja noch ca. ein Jahr in der klinischen Überprüfung und wird dann als Therapie für Patienten mit chronischem Herzversagen im Endstadium angeboten. Insofern war ich in Deutschland einer der ersten, denen das „Lion Heart“ implantiert wurde. Hoffentlich wird es bald vielen Menschen zur Verfügung stehen.

Beschreiben Sie bitte Ihre Erfahrung mit Medizinprodukten...

Klaus Müller: Eigentlich war ich für eine Herztransplantation vorgesehen gewesen. Ich hatte vier Monate gewartet und dann wurde ich angerufen, ins Krankenhaus gebracht und auf die OP vorbereitet. Um Mitternacht teilte mir der zuständige Arzt jedoch mit, dass das Spenderorgan in zu schlechtem Zustand war und ich wurde wieder nach Hause geschickt. Ein paar Tage später wurde ich während meiner routinemäßigen Herzuntersuchungen gefragt, ob ich mich mit dem Gedanken an ein Kunstherz anfreunden könnte. Das Kunstherz und seine Funktion wurden mir eingehend erklärt und daraufhin entschied ich mich für eine Implantation. Kurz nach der Operation erlitt ich einen Schlaganfall, den ich aber ohne Schaden überlebte. Die Bedienung des Kunstherzes habe ich schnell erlernt: Alle 1,5 Stunden den Akku zu wechseln, den äußeren Ring zu säubern und immer darauf bedacht zu sein, eine Stromquelle in der Nähe zu haben, egal wo ich bin. Durch die Pumpe kriege ich wieder Luft und fühle mich dadurch sehr erleichtert. Ich lausche natürlich auf die Pumpe, denn sie ist ja doch nur eine Maschine, die auch mal ausfallen könnte.

Sie sprechen über diesen elementaren Eingriff fast wie über eine Blinddarmoperation. Bedeutete die Operation nicht einen erheblichen Eingriff in Ihr Leben?

Klaus Müller: Auf jeden Fall, aber immerhin nur zur Verbesserung meines Lebens. Man ist natürlich sehr wachsam, ob die Pumpe noch tickt. Andere wundern sich manchmal, dass ich damit leben kann, aber ich bin einfach froh, wenn es tickt, denn das bedeutet L E B E N.

Wie geht es Ihnen heute?

Klaus Müller: Eigentlich geht es mir gut. An das Gewicht und die einzelnen Gerätschaften habe ich mich langsam gewöhnt. Ich fahre Sie auf einem Bürostuhl durch meine Wohnung, so bin ich einigermaßen flexibel. Für meine Einkäufe nutze ich einen Krankenfahrstuhl, der wie ein kleines Motorrad funktioniert. Damit kann ich in jede U-Bahn, die über einen Aufzug verfügt. In Geschäften, die ebenerdig sind, kann ich damit Einkaufen fahren. Bevor ich losziehe,  informiere ich mich mit meiner Liste, ob der betreffende Zielort mit einem Aufzug ausgestattet ist. Darüber hinaus kann ich mit meinem Gefährt sogar mein Keyboard mit an meine geliebte Pommesbude nehmen, um für Bekannte dort zu musizieren, und das ist wichtig und entspannend für mich. Ich würde jedem, der in meiner Situation ist, dazu raten, sich eine solche Pumpe einsetzen zu lassen.


  • Share on Facebook
  • Share on Twitter