Patientengeschichten

James Chaney

Implantierter Cardioverter Defibrillator

51 Jahre
verheiratet, ein Sohn
Unteroffizier a. D. der American Forces,
Administrator of the Drug and Alcohol Prevention and Counceling Service in Berlin


Krankheitsbild:
Herzinsuffizienz

Von Herzinsuffizienz - oft auch als Herzschwäche bezeichnet - sind allein in Deutschland schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen betroffen, etwa 50.000 sterben pro Jahr daran. Das Herz ist nicht mehr in der Lage, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen. Es wird im Laufe der Erkrankung immer schwächer. Das Zusammenspiel der vier Herzkammern geht dabei verloren. Die betroffenen Menschen sind ständig müde, bekommen nicht mehr genügend Luft und sind nur noch eingeschränkt belastbar.


Patientengeschichte:

1987 erlitt Herr Chaney einen Herzinfarkt (Vorderwandinfarkt). Aufgrund der Schwere des Infarktes bildete sich ein Aneurysma an der rechten Aorta. Im Deutschen Herzzentrum in Berlin wurde das Aneurysma entfernt und ein Bypass gelegt. Seit dieser Operation ist Herr Chaney zu 70 % schwerbehindert.

1996 erlitt Herr Chaney einen plötzlichen Herzstillstand. Nach erfolglosen Wiederbelebungsversuchen mit einem externen Defibrillator über 45 Minuten, verfiel er in ein einwöchiges Koma. Einige Wochen später, nachdem er stabilisiert worden war, wurde ihm im Deutschen Herzzentrum in Berlin ein Implantierbarer Cardioverter Defibrillator (ICD, regulieren über die Funktion eines Herzschrittmachers hinaus mittels elektrischer Schocks auch die Herzfrequenz) eingesetzt. Durch die unterstützenden Herzmedikamente verbesserte sich langsam, aber stetig seine Lebensqualität. Seitdem werden die Funktionen des Defibrillators vierteljährlich kontrolliert. Darüber hinaus überprüft ein Kardiologe regelmäßig die Herztätigkeit mit Belastungs-EKGs.

Seine Schwerbehinderung sieht Herr Chaney als Chance. Er engagierte sich im kulturellen Leben Berlins, indem er Prosa verfasste, die als Grundlage für Musicals und Opern dienten, und er hielt Lesungen moderner Gedichte. Heute engagiert sich Herr Chaney mit viel Überzeugung in der englischsprachigen Telefonseelsorge.

„Dank des ICDs muss ich nur einen Bruchteil der herzstabilisierenden Medikamente einnehmen. Das bedeutet für mich: sehr viel weniger Nebenwirkungen und damit verbunden eine deutlich gesteigerte Lebensqualität.“


Interview im Rahmen des Kunstprojekts "Künstler treffen Patienten":

Wie sind Sie zum Kunstprojekt gekommen?

James Chaney:  Mein behandelnder Arzt hat mich für dieses Kunstprojekt vorgeschlagen, weil er mich gut kennt und weiß, dass ich über meine Erkrankung trotz meiner Sprachbehinderung sprechen kann. Meine Mentalität und mein Lebensmotto „Wir schaffen es zusammen“ mögen ihn dazu bewogen haben. Vielleicht kann ich auch meine positive Lebenseinstellung durch dieses Projekt an andere weitergeben.

Beschreiben Sie bitte Ihre Erfahrung mit Medizinprodukten...

James Chaney:  Oh, diese Erfahrung war sehr mannigfaltig. Als ich 1996 des Nachts einen plötzlichen Herzstillstand erlitt, hätte ich ohne die Hilfe des Laiendefibrillators wohl nicht überlebt. Der Notarzt kam und hat mich mit diesem Defi wiederbelebt und noch lebend in die Klinik bringen können, bevor ich ins Koma fiel. Als ich nach einer Woche erwachte, teilte der Arzt mir mit, dass ich einen Internen Defibrillator (ICD) eingesetzt bekommen müsste. In der Regenerationszeit zwischen meinem Herzstillstand und der Operation habe ich mich intensiv in die Fachliteratur zum Thema Defi eingelesen. Ich habe damit versucht, meine absolute Hilflosigkeit, die ich seit meinem Herzstillstand verspürte, zu relativieren, in mein Leben einzuordnen. Ich verstand mit Hilfe dieser Literatur, dass dieses kleine Gerät mir wieder Sicherheit geben würde. Ich war also wieder sehr hoffnungsvoll, als ich operiert wurde. Meine Hoffnung hat sich auch realisiert: Ich bin hier, ich lebe und nehme in meinen Grenzen aktiv am Leben teil.

Sie sagen, Sie sehen Ihr Schicksal als Chance. Was genau meinen Sie damit?

James Chaney:  Wir sind so sehr daran gewöhnt, dass alles nach Terminplan verläuft. Wir sind erschüttert und oft sehr hilflos, wenn dem nicht so ist. Das ist ein Phänomen, dass ich bislang nur beim Menschen beobachten konnte. Ich für meinen Teil wurde zweimal an die wirkliche Grenze meines Lebens gebracht und war natürlich zu Anfang sehr traurig. Doch dann habe ich es als Chance gesehen, sonst hätte ich nicht weiterleben können. Ich bin stärker geworden, indem ich mich den veränderten Bedingungen gestellt habe. Mit 37 Jahren schwerbehindert in einem doch fremden Land, hatte ich zumindest beruflich keine Chancen mehr. Nun hatte ich sehr viel mehr Zeit für mich selbst, so begann ich zu schreiben. Ich ging auf die Bühne mit Jazzmusikern, für die ich geschrieben hatte, und das gab mir eine neue Bestätigung und ein besonderes Glücksgefühl. Dadurch bekam ich Eintritt in eine völlig neue Welt für mich, die mich seelisch angeregt hat.

Wie geht es Ihnen heute?

James Chaney: Mir geht  es sehr gut, wenn ich mich nicht überanstrenge. Ein Sprinter werde ich nicht mehr werden, aber ich habe die Sicherheit, dass der Defibrillator etwaige Herzrhythmusstörungen ausgleicht. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, weil ich ein solch aktiver Mensch bin und doch nach vorne schauen möchte. Ich würde gerne die Kraft, die ich ausstrahle, an andere weitergeben, Mut machen, aber ohne zu jammern. Vor einigen Jahren habe ich ein Seminar für Patienten mitgemacht, die auch an einer Herzerkrankung litten. Da wurde nur geklagt, sodass ich den Kurs nach drei Sitzungen abgebrochen habe, weil es mich überhaupt nicht weiterbrachte. Trotz meiner Schwerbehinderung will ich meine Energie so katalysieren, dass sie positiv in mir wirkt. Ich lebe und ich bin dankbar für diese Herausforderung.


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