Patientengeschichten

Gisela Scheelen

Platinspiralen bei Hirnaneurysma

53 Jahre
verheiratet, 2 Töchter
als Empfangsdame tätig


Krankheitsbild: Subarachnoidalblutung

Etwa sechs bis 16 von 100.000 Einwohnern erkranken pro Jahr an dieser Sonderform des Schlaganfalls. Ein Großteil davon ist auf Hirngefäß-Aneurysmen zurückzuführen. Etwa 30 Prozent der Patienten versterben bevor sie ins Krankenhaus gelangen. Von den Überlebenden verstirbt etwa ein weiteres Drittel während des Krankenhausaufenthaltes, ein Drittel bleibt dauerhaft behindert.

Aneurysmen sind Gefäßaussackungen unterschiedlicher Form und Größe. Ihre Entstehung wird meist durch angeborene Gefäßwandschwächen hervorgerufen. Durch Störungen im Aufbau der Gefäßwand kommt es unter Einfluss des Blutdrucks zu Ausstülpungen oder Erweiterungen der Gefäße. Ursache können auch entzündliche Gefäßveränderungen bzw. durch Pilze verursachte Infektionen oder Gefäßwandverletzungen sein.


Patientengeschichte:

Frau Scheelen klagte in einer Nacht 1998 über sehr starken Kopfschmerz und erlitt daraufhin eine Gehirnblutung durch das Platzen einer angeborenen Gefäßerweiterung (Aneurysma). Durch das rasche Einsetzen von Platinspiralen (GDCs) wurde die Blutung gestillt und Frau Scheelen vor bleibenden Schäden bewahrt.

Heute genießt Frau Scheelen wieder die Natur mit dem Fahrrad oder auf Spaziergängen mit ihrem Mann. In ihrer fünfwöchigen Rehabilitation hat Frau Scheelen viele schwerstbehinderte Menschen gesehen und somit wurde ihr erstmalig klar, wie viel Glück sie durch die schnelle Behandlung mit den GDCs erfahren hat.

"Ohne das schnelle Reagieren meines Mannes und die fachmännische Einweisung des Notarztes zum Spezialisten für GDCs hätte ich schwerstwiegende, bleibende Schäden davontragen können oder würde heute nicht mehr leben“


Interview im Rahmen des Kunstprojekts "Künstler treffen Patienten":

Wie sind Sie zum Kunstprojekt gekommen?

Gisela Scheelen: Über meinen behandelnden Arzt, Herrn Prof. Dr. Forsting, dem ich sehr viel verdanke und den ich nach wie vor regelmäßig aufsuchen muss, um mich den routinemäßigen Kontrolluntersuchungen im Kernspin zu unterziehen. Vielleicht auch, weil ich durch die bei mir angewandte Spiralenmethode (Coiling) ein Beispiel dafür bin, wie erfolgreich sich minimal-invasive Behandlungsmethoden bei schweren Erkrankungen einsetzen lassen.

Was versteht man denn in diesem Zusammenhang unter Spiralen?

Gisela Scheelen: Bei diesen Spiralen handelt es sich um Minispiralen aus Platin, die durch die Leiste über die Hauptschlagader ins Aneurysma im Gehirn eingeführt werden. Und damit sind wir schon bei meiner Erkrankung, dem sogenannten Hirnaneurysma.
Vor 2 Jahren, im September 1998 legte ich mich abends zu Bett und verspürte einen stechenden Schmerz im Hinterkopf. Daraufhin holte mein Mann sofort die Notarztnummer und in dem Moment hatte ich auch schon erbrochen. Er schilderte das am Telefon schon dem Notarzt, der sofort kam und eine Gehirnblutung feststellte. Deshalb brachte er mich sofort zu den Spezialisten der neurologischen Abteilung der Uniklinik Essen. Der war, würde ich sagen, mein Lebensretter.

Im Krankenhaus war ich teilweise bewusstlos, dann auch wieder ganz klar. Und ich spürte eine Helligkeit und ich habe mir die Frage gestellt: Muss ich jetzt sterben? Das war meine letzte Frage und danach kann ich mich an nichts mehr erinnern. Ich bin wach geworden und da war alles schon geschehen. Man erzählte mir, dass eine Drainage gelegt worden sei, damit das Blut abfließen konnte. Am nächsten Tag wurde ich dann operiert.

Wieso musste  bei Ihnen die „Spiralmethode“ angewandt werden?

Gisela Scheelen: Weil ich, wie gesagt, diese Blutung im Gehirn hatte, woran man dann im schlimmsten Fall sterben kann, oder mindestens schwerbehindert wird. Der Arzt hat die geplatzte Stelle durch das Einführen der Platinspiralen wieder verschlossen. Ich habe nichts davon mitbekommen, Gott sei Dank.

Das ist ja ein ziemlicher Eingriff in den menschlichen Organismus. Wie ging es Ihnen nach der Operation?

Gisela Scheelen: Während meiner fünfwöchigen Reha-Zeit ging es kontinuierlich bergauf. Ich war allgemein geschwächt, aber meine Reflexe waren in Ordnung. Durch kontinuierliches Gedächtnistraining bekam ich meine Sicherheit langsam wieder zurück. Psychisch war ich stark angeschlagen, denn ich habe viele schlimme Krankheitsfälle gesehen, die mich sehr belastet haben. Gleichzeitig war ich natürlich auch glücklich und dankbar über meinen Krankheitsverlauf.

Wie geht es Ihnen heute?

Gisela Scheelen:  Also, erst mal leb´ ich etwas bewusster. Ich freue mich einfach, dass es mir gut geht, wobei ich auch Ängste und Schwierigkeiten habe, denn man beobachtet sich selbst auch sehr kritisch. Ich bin auch nicht dauerhaft belastbar und ermüde schneller. Gerne arbeite ich wieder als Empfangsdame, das brauche ich einfach. Ansonsten mache ich keine schweren Arbeiten, bei denen hilft mir mein Mann sehr lieb und dadurch sieht das Leben gleich ganz anders aus.


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