Aufsätze

2009-03: Medienservice-Papier zum künstlichen Gelenkersatz

Hintergrundinformationen zum Stand des künstlichen Gelenkersatzes in Deutschland, März 2009

Stand: 23. März 2009


Krankheitsbild Arthrose

Gelenkverschleiß oder Arthrose ist ein Volksleiden. Es handelt sich dabei um eine krankhafte alters- und belastungsbedingte Abnutzung der natürlichen Knorpelschicht. Mehr als die Hälfte aller Deutschen über 50 Jahre ist zumindest an einem Gelenk davon betroffen. Arthrose ist der häufigste Grund für die Implantation eines künstlichen Gelenks.

Gelenke stellen die bewegliche Verbindung zwischen zwei Knochen dar. Die Gelenkoberflächen sind mit einer glatten knorpeligen Gleitschicht versehen, die für einen reibungslosen Bewegungsablauf sorgt. Alle Gelenke des Körpers können von Gelenkverschleiß betroffen sein. Besonders oft findet man die Zerstörung des Knorpels in den Knie- und Hüftgelenken. Was mit leichten Beschwerden beim Gehen beginnt, mündet oft in starken Schmerzen selbst in Ruhe und einer erheblichen Einschränkung der Mobilität. Und die Betroffenen werden immer jünger. Zu den Risikofaktoren für den Gelenkverschleiß zählen Übergewicht, Fehl- oder Überbelastung der Gelenke, Stoffwechselerkrankungen oder Gelenkverletzungen.

Heilbar ist Arthrose nicht, da einmal zerstörte Knorpelzellen nicht mehr von selbst nachwachsen. Wenn konservative Methoden wie Medikamente oder Physiotherapien ausgeschöpft sind, kann gegen die Schmerzen und die Bewegungseinschränkungen ein künstliches Gelenk helfen.

Endoprothetik in Zahlen

Die Implantation von künstlichen Gelenken, den so genannten Endoprothesen, zählt heute zu den Routineoperationen. Jährlich erhalten über 400.000 Deutsche ein künstliches Gelenk. Im Jahr 2008 wurden in Deutschland rund 220.000 künstliche Hüftgelenke sowie 170.000 künstliche Kniegelenke implantiert. Hinzu kommen Schulter-, Ellenbogen- und Fingergelenke sowie Sprung- und Großzehengrundgelenke.

Die steigende Lebenserwartung in Europa und die damit einhergehende zunehmende Häufigkeit degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparates sorgen für wachsenden Bedarf an Hüft- und Kniegelenkersatz.


Qualität und Haltbarkeit

> Welche Operationstechnik und welche Prothese für einen Patienten am besten geeignet sind, hängt von vielen Faktoren ab: beispielsweise dem genauen Krankheitsbild oder der Knochenqualität des Patienten. Die Auswahl der richtigen Implantate und Materialien ist also immer eine individuelle Entscheidung. So werden auf dem deutschen Markt allein 200 verschiedene Hüftschaftimplantate angeboten.

> Genau wie bei Gegenständen des täglichen Gebrauchs spielt auch bei Prothesen neben dem persönlichen Verhalten die Qualität eine wichtige Rolle. Implantate aus körperverträglichen und hochabriebfesten Materialien, beispielsweise Keramik, tragen zu einer langen Lebensdauer des künstlichen Gelenks bei.

> Hochwertige Implantate zeichnen sich durch eine wissenschaftlich nachgewiesene hohe Belastbarkeit und eine lange Lebensdauer aus. Ein Arthrose-Patient sollte sich daher vor seiner Operation umfassend über die verfügbaren Möglichkeiten und angewandten Operationstechniken erkundigen, bevor er sich für eine Klinik entscheidet.

> Für jede Indikation – also jedes Krankheitsbild – sind in der Endoprothetik in der Regel zahlreiche verschiedene Implantatoptionen verfügbar. Sie unterscheiden sich in ihrem Design, ihren Größen und ihrer Biomechanik. Auch die Auswahl an Materialien ist hoch: Sie reichen von Edelstahl über Cobalt Chrom und Titan bis hin zu Tantal und keramischen Werkstoffen.

> Als Alternative zu herkömmlichen Hüftprothesen sind der Oberflächenersatz oder Kurzschaftprothesen zu nennen, die wertvolle Knochensubstanz sparen können. Diese Prothesen sind nicht für alle Patienten gleich gut geeignet, von ihnen profitieren vornehmlich jüngere Patienten mit gesunder Knochensubstanz (unter 60 Jahren). Grundsätzlich hat jeder Patient das Anrecht auf eine qualitativ hochwertige Prothese, die ihm ein Maximum an Beweglichkeit gibt und ihn möglichst lange vergessen lässt, dass es nicht sein eigenes Gelenk ist, das er in sich trägt.

> Qualitativ hochwertige Prothesen haben heute in der Regel eine Lebensdauer – man spricht auch von Standzeit – von 15-20 Jahren, bis sie ausgetauscht werden müssen. Es ist primär die Verwendung hochwertiger Materialien, die für eine lange Lebensdauer der Prothesen sorgt. Auch tragen genau auf einander abgestimmte Gleitpaarungen, beispielsweise aus Keramik, dazu bei, den Abrieb im Gelenk möglichst gering zu halten.

Nutzen für den Patienten

Meist fühlen sich Menschen, die sich für ein künstliches Gelenk entscheiden, nach der Operation wie befreit: Endlich keine Schmerzen mehr! Ihr neues Hüft- oder Kniegelenk lindert dabei in der Regel nicht nur ihre Beschwerden. Es trägt auch dazu bei, ihnen ihre Beweglichkeit wiederzugeben oder sie zu erhalten – eine wichtige Voraussetzung für ein aktives und zufriedenes Leben.

Nach der Implantation können die Patienten oft schnell wieder in ihren Alltag zurückkehren und die meisten ihrer früheren Aktivitäten wieder aufnehmen, sofern sie ihr Gelenk dabei nicht übermäßig belasten. Selbst Sportbegeisterte müssen nach dem Eingriff nicht auf körperliche Aktivität in der Freizeit verzichten. Im Gegenteil: Moderater Sport fördert den Aufbau natürlicher Knochensubstanz und stärkt die Muskulatur, die das künstliche Gelenk stützt und ihm Halt gibt. Nach dem Einsatz eines neuen Hüft- oder Kniegelenks gelten unter anderem Wandern, Walking, Schwimmen, Skilanglauf, Radfahren, Gymnastik in Form von Dehnungs- und Kräftigungsübungen sowie Rudern und Paddeln als gelenkschonend. Hingegen sind Leistungs- und Wettkampfsport sowie Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen wie Squash eher ungeeignet. Die Auswahl einer geeigneten Sportart sollte immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Medizintechnischer Fortschritt

Die Forschungsanstrengungen der Implantatehersteller zur Weiterentwicklung und Verbesserung des künstlichen Gelenkersatzes sind enorm. Alle großen Implantatehersteller unterhalten eigene Grundlagenlabors, die sich mit Tribologie, Biomechanik oder Anwachsverhalten auseinandersetzen. Hieraus ergeben sich unterschiedlichste Ansätze, um neue und noch bessere Implantate zu entwickeln. Ziel ist es, die Haltbarkeit bzw. die Standzeit der Implantate zu verlängern.

Weitere Anstrengungen werden in Richtung neuer Operationsverfahren unternommen. Sie sollen dem Arzt ermöglichen, seine Patienten schonender zu operieren. Beispielsweise erfordern einige dieser Techniken keine oder nur minimale Einschnitte in Muskeln, um zum Gelenk zu gelangen und ein Hüft- oder Knieprothese zu implantieren (minimal invasive Chirurgie). Hieraus entstehen auch neue Anforderungen an den Operateur und an das Implantat. Ein weiterer Schritt ist der Einsatz von computerunterstützten Navigationssystemen.

Vorteile für Patienten auf durch moderne Endoprothetik auf einen Blick

> Weniger Schmerzen und schnellere Rehabilitation nach dem Eingriff
> Spezielle Prothesen erhalten so viel wie möglich der eigenen Knochensubstanz
> Lange Standzeit durch qualitativ hochwertige Prothesen
> Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes
> Schnelle Wiedereingliederung in den Alltag und das Arbeitsleben

Qualitätssicherung durch ein Endoprothesenregister

> Die Unternehmen der Medizintechnologie setzen sich für eine stärkere Qualitätsorientierung im deutschen Gesundheitssystem ein. Zur Qualitätsoptimierung gehören klinische Studien und Risikoanalysen beim Entwicklungsprozess von Medizinprodukten, Leitlinien und Qualitätsstandards bei der Anwendung sowie Marktbeobachtungssysteme. Dabei helfen beispielsweise Register, um Qualität transparenter zu machen.

> Beim künstlichen Gelenkersatz haben die im BVMed vertretenen Endoprothetik-Unternehmen frühzeitig ihre Bereitschaft signalisiert, an einem Endoprothesenregister mitzuwirken. Die Unternehmen haben in einer Projektgruppe mitgewirkt, die ein Konzept für den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erstellt hat. Der G-BA hat nunmehr die Möglichkeit, das neue sektorenübergreifende Qualitätssicherungsinstitut mit der Errichtung eines Endoprothesenregister zu beauftragen.

> Primäres Ziel eines Endoprothesenregisters ist es, die Ergebnisqualität der endoprothetischen Versorgung zu messen, vergleichend zu bewerten und zu verbessern. Daran haben alle an der Endoprothesenversorgung beteiligten Gruppen ein großes Interesse. Die BVMed-Mitgliedsunternehmen stellen sich ihrer Verantwortung: Sie haben sich unter anderem zur Bereitstellung der erforderlichen Herstellerdaten und für den Betrieb und die Mitfinanzierung einer Herstellerreferenzdatenbank bereit erklärt.

> Die Daten bilden eine der Grundlagen für das Endoprothesenregister, das die eigentlichen Versorgungsdaten für die Qualitätssicherung und Versorgungsforschung in einem eigenen Register generiert. Wichtig ist eine angemessene Einbindung der medizinischen Fachgesellschaften und der Expertise der Hersteller in die Entwicklung der Qualitätsparameter und Auswertungen der Registerdaten.

> Darüber hinaus müssen die Ergebnisse den meldenden Firmen und Krankenhäusern umfänglich und zeitnah zur Verfügung gestellt werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass etwaige Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und schnell die erforderlichen Maßnahmen getroffen werden können.

Mitglieder im Endoprothetik-Fachbereich des BVMed:

aap Implantate AG
AESCULAP AG
Biomet Deutschland GmbH
CeramTec AG
Corin Germany GmbH
DePuy Orthopädie GmbH
Heraeus Medical GmbH
Mathys Orthopädie GmbH
Peter Brehm GmbH
Smith & Nephew GmbH
Stryker GmbH & Co KG
SYNTHES GmbH
Tornier GmbH
Waldemar Link GmbH & Co KG
Zimmer Germany GmbH

Pressekontakt BVMed:

Manfred Beeres, Leiter Kommunikation/Presse, Pressesprecher
BVMed - Bundesverband Medizintechnologie e.V., Reinhardtstr. 29 b, 10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 246 255-20, Fax: +49 (0)30 246 255-99
E-mail: beeres@bvmed.de, www.bvmed.de  


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