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BVMed-Presseseminar 2006
Berliner Presseseminar des BVMed: Herbstumfrage: „MedTech-Branche schafft Arbeitsplätze trotz schwierigem wirtschaftlichem Umfeld“
02.11.2006 - 72/06
Die Erwartungen an die Gewinnsituation für das laufende Geschäftsjahr haben sich nach der BVMed-Herbstumfrage gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert. Dies liegt vor allem an den Ärztestreiks und dem zunehmenden Preisdruck im Klinikbereich. Für das laufende Jahr 2006 erwarten knapp 35 Prozent der Unternehmen ein besseres Ergebnis gegenüber 2005. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 40 Prozent.
Als stärkste Hemmnisse für die Branchenentwicklung werden – wie im Vorjahr – der gestiegene Preisdruck durch die Einkaufsgemeinschaften (78 Prozent), die schwierigen gesetzlichen Rahmenbedingungen (70 Prozent) sowie die anhaltende Budgetierung (63 Prozent) genannt. Es folgen das Finanzdefizit der Krankenkassen (45 Prozent), die ausufernde Bürokratie (43 Prozent) sowie die steigenden Rohstoff- und Energiekosten (40 Prozent).
Bei der Frage nach den Stärken des Standorts Deutschland für die Medizintechnologie gibt es von den BVMed-Unternehmen Anerkennung und hohe Wertschätzung. Dazu gehören vor allem die hohe Anzahl gut ausgebildeter Ärzte (70 Prozent) und Ingenieure (57 Prozent), das hohe Versorgungsniveau der Patienten (65 Prozent) sowie der hohe Standard der klinischen Forschung (53 Prozent). Bemängelt wird dagegen das Erstattungsniveau in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten. Das gilt derzeit insbesondere für den Bereich der Implantate, bei denen in Deutschland die niedrigsten Preise existieren.
Das 7. Berliner Presseseminar des BVMed stand unter dem Oberthema „Besseres Innovationsmanagement: Wege zur schnelleren Innovationseinführung“. Nach Ansicht des BVMed-Vorstandsvorsitzenden Anton J. Schmidt (Ethicon GmbH) ist der Umgang mit medizinischen Innovationen „eines der wichtigsten Gestaltungsthemen im Gesundheitsmarkt“. Es betrifft die Unternehmen der Medizintechnologie als Teil einer dynamischen und hoch innovativen Branche in besonderem Maße. Denn mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielen die Unternehmen mit Produkten, die nicht älter als drei Jahre sind. Durchschnittlich werden – so das aktuelle Umfrageergebnis – 7,2 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert.
Gemeinsames Ziel aller Beteiligten müsse es sein, echte Innovationen, die dem Patienten helfen und das System effizienter machen, schneller in den Gesundheitsmarkt einzuführen. „Dabei müssen die langfristigen Einsparpotentiale durch moderne MedTech-Verfahren in die
Überlegungen und in die Kostenübernahme medizintechnologischer Produkte einbezogen werden. Das gehört zum Thema Innovationsbegleitung und Innovationsförderung dazu“, sagte BVMed-Geschäftsführer Schmitt.
Um das Potential der Medizintechnologien als Wachstumsmotor besser zu nutzen, benötige man vor allem den festen politischen Willen, Innovationen in das deutsche Gesundheitssystem einzuführen und Prozesse für ihren zügigen Zugang zu etablieren. Hier lauten die Forderungen des BVMed unter anderem:
- Wir brauchen eine neue Gesundheitswirtschaft mit mehr wettbewerblichen Elementen, Wahlfreiheiten und mehr Eigenverantwortung der Versicherten.
- Wir müssen die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung durch ein besseres Forschungsmanagement optimieren. Dazu gehört die Vernetzung mit der wissenschaftlichen Forschung insbesondere auf dem Gebiet der Bio-, Mikro- und Nanotechnologie.
- Wir plädieren für regionale Cluster mit medizintechnologischen Firmen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Herstellern von wichtigen Vorprodukten bis hin zur Software sowie Anbietern von Risikokapital.
Bei der Einführung von Innovationen müssten Krankenkassen, Kliniken, Ärzte und Unternehmen enger und „pro-aktiv“ zusammenarbeiten. Gemeinsames Ziel von Kassen und Unternehmen muss es sein, Innovationen, die medizinischen Fortschritt und einen ökonomischen Nutzen bieten, schneller in das System einzuführen.
Auf dem BVMed-Presseseminar wurden folgende drei Fallbeispiele präsentiert, um Ansatzpunkte und Lösungsvorschläge aus Sicht der MedTech-Unternehmen darzustellen:
Prof. Dr. Günter Neubauer, Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie in München, stellte erste Erfahrungen mit der DRG-Innovationsklausel vor, die sich durch eine Klinikbefragung im Rahmen einer Studie ergeben haben. Zu den aufgestellten Forderungen gehört die Einführung unterjähriger Innovationsanträge. Die Kliniken sprachen sich auch dafür aus, dass die einmalige Bewertung des innovativen Verfahrens durch das DRG-Institut InEK mit Status 1 bis zur Abbildung im DRG-System erhalten bleibt und nicht jedes Jahr wieder neu beantragt werden sollte. Getroffene Vereinbarungen zu neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden in einem Krankenhaus sollten zudem auch bundesweit für strukturgleiche Kliniken gelten. Nachweisbar innovativ tätigen Krankenhäusern sollte ein „Innovationspool“ zur Refinanzierung zur Verfügung gestellt werden.
Alle Informationen zum BVMed-Presseseminar „Besseres Innovationsmanagement“ befinden sich im Internet unter: www.bvmed.de/presseseminar06.
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