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Glossar und Wörterbuch
Inkontinenzversorgung
Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden unter unkontrolliertem Verlust von Urin und/oder Stuhl. Die Dunkelziffer ist dabei noch deutlich höher. Das macht Inkontinenz im Alter nicht nur zu einem medizinisch ernst zu nehmenden Problem, sondern stellt auch Alten- und Pflegeheime vor Herausforderungen. Immerhin ist Inkontinenz heute der zweithäufigste Grund für Angehörige, pflegebedürftige Menschen in einem Heim betreuen zu lassen. Schätzungen zufolge sind rund 80 Prozent aller Heimbewohner von einer Inkontinenz betroffen.
Die entsprechende hygienisch-pflegerische Versorgung bindet etwa ein Viertel der gesamten Arbeitszeit – und erzeugt oft enorme Folgekosten, zum Beispiel für die Behandlung von Hautirritationen. Hinzu kommt die emotionale Belastung für die Betroffenen selbst, denn bei diesem heiklen Thema geht es immer auch um die Würde des Einzelnen.
Der Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) fordert in diesem Zusammenhang eine wirtschaftliche und gleichzeitig individuelle Versorgung.
Mittlerweile stehen innovative Inkontinenz-Produkte zur Verfügung, die diesen Anforderungen nicht nur gerecht werden, sondern sie sogar noch übertreffen: Sie sorgen für eine zuverlässige Aufnahme und Bindung des Urins. Luftdurchlässige Vliesseitenteile, eine weiße textilartige Außenseite oder antibakterielle, pH-hautneutrale Verteilerauflagen bieten nicht nur Tragekomfort und Diskretion, sondern auch einen aktiven Hautschutz – und minimieren auf diese Weise Irritationen sowie pflegerischen Mehraufwand. So können moderne Inkontinenzprodukte heute Kosten senken, indem sie durch einen zuverlässigen Schutz Arbeitserleichterung für Pflegekräfte schaffen und den Betroffenen ein Plus an Lebensqualität schenken. Doch das war nicht immer so.
Ein Blick zurück: Inkontinenzprodukte im Wandel der Zeiten
Noch vor 40 Jahren war Hautschutz bei der Inkontinenzversorgung überhaupt kein Thema. Damals gab es auf dem deutschen Markt als aufsaugende Hilfsmittel für Erwachsene lediglich Krankenunterlagen für bettlägerige Bewohner und rechteckige Vorlagen als Kompakt-Saugkissen in einer Größe von ca. 20 cm x 40 cm für mobile Menschen, die mittels noch heute bestehender Netzhose oder Wickelfolie fixiert wurden. Der Saugkörper der Vorlage war einlagig und bestand aus reinem Zellstoff. Das bedingte eine hohe Rücknässung und dadurch einen permanenten Angriff auf den Säureschutzmantel der Haut. Im Gegensatz zu heute gängigen, einfach zu handhabenden Fixiermethoden von Inkontinenzprodukten, wie moderne Klebe-Klett-Tapes bei Slips oder unterwäscheähnlichen Fixierhosen bei Vorlagen, wurde damals die Wickelfolie arbeitsaufwendig über die Vorlage gelegt und an den Seiten, zulasten des Tragekomforts, zugeknotet.
Mitte der achtziger Jahre kamen anatomisch geformte Inkontinenzprodukte auf den Markt mit zweilagigem Saugkörper, bestehend aus einem Zellstoffkissen und abdeckendem Zellstoffvlies. Der Produktsitz verbesserte sich und auch die Auslaufhäufigkeit konnte reduziert werden. Inkontinenzslips wurden entwickelt, die in den kommenden Jahren die Vorlagen weitgehend verdrängten. Mittlerweile hat sich dieses Verhältnis – auch aufgrund des Expertenstandards von 2006 – wieder deutlich zugunsten der Vorlagen verschoben: Diese sind wirtschaftlicher, diskreter und bieten mehr Tragekomfort durch eine höhere Bewegungsfreiheit.
Anfang der neunziger Jahre revolutionierte Super Absorbent Polymer, kurz SAP, die Inkontinenzversorgung insbesondere hinsichtlich der Rücknässung: SAP vermag ca. das 50-Fache seines Eigengewichts an Flüssigkeit zu speichern, Zellstoff hingegen nur das 10-Fache. Ab sofort war also das Mischverhältnis zwischen Zellstoff und SAP entscheidend für den Schutz – nicht wie bisher die Materialdicke. Eine deutliche Verkleinerung der Produkte war die Folge. Lag das SAP anfangs einem Saugkissen aus Zellstoffflocken auf, werden die Materialien heute im Saugkern gemischt eingesetzt.
Mitte der neunziger Jahre rückte dann auch der Tragekomfort stärker in den Mittelpunkt des Interesses: Weich auslaufende Saugkissenränder an den Rückkanten der Produkte reduzierten Hautirritationen und minimierten die – insbesondere im Liegen gegebene – Dekubitus-Gefahr. Während früher anatomisch geformte Vorlagen „platt“ ausgeschnitten waren, verbesserten nun Lycrafäden im Schrittbereich die dreidimensionale Formstabilität. Die Auslaufhäufigkeit reduzierte sich dadurch um über 30 Prozent. Hinzu kamen erste Entwicklungen von seitlichen Innenbündchen sowie eine zusätzliche Schutzfolie, die das Auslaufen an Front- und Rückseite der Produkte verhindern sollte.
Expertenstandard in Sachen Inkontinenz
Seit Einführung des Expertenstandards zur Förderung der Harnkontinenz in der Pflege des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) im Jahr 2006 hat sich eine Art Leitfaden etabliert, an dem die Qualität der Versorgung inkontinenter Pflegeheim-Bewohner gemessen werden kann. Der Expertenstandard stellt sicher, dass Bewohner nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen optimal versorgt werden. Für die Versorgung fordert der Standard, dass Heimbewohner individuell und zugleich wirtschaftlich versorgt werden sollen. Er regt an, moderne Inkontinenzprodukte zu verwenden, die folgende Eigenschaften aufweisen:
- Hoher Tragekomfort
- Größtmögliche Diskretion
- Zuverlässige Sicherheit
- Gewährleistung von Lebensqualität
- Individualität in der Produktauswahl
- Einfache Handhabung
- Langfristige Wirtschaftlichkeit
Allgemein empfiehlt der Expertenstandard „moderne, dreiteilig aufgebaute Einmalprodukte, die aus flüssigkeitsabweisendem Vlies, Zellstoff mit integriertem Superabsorber (Gelbildner) und auf der vom Körper abgewandten Seite aus einer wasserundurchlässigen Schicht bestehen“. Diese sollen den Urin binden, vor Rücknässung schützen und dermatologische Folgeschäden von Inkontinenz verhindern oder eindämmen. Er erklärt weiter: „Für die von Inkontinenz betroffenen Personen stehen Faktoren wie Trockenheit der Vorlage, Auslaufschutz, Diskretion und Geruchsvermeidung bei der Auswahl eines Hilfsmittels im Vordergrund.“
Moderne Versorgung – mehr als Standard
Doch moderne Produktentwicklungen gehen noch einen Schritt weiter: Mittlerweile stehen dermatologisch getestete, hypoallergene Vorlagen und Slips zur Verfügung, die die Anforderungen des Expertenstandards sogar übertreffen.
Im Fokus der Forschung: die Hautfreundlichkeit
Deutlich wird: Im Fokus der Forschung steht heute vor allem die Hautfreundlichkeit. Denn Nässe und Bakterien im Schrittbereich, aggressiver Ammoniak, allergene und/oder luftabschließende Materialien bedeuten immer auch ein Gefahrenpotenzial für die Haut: So leiden 42,5 Prozent aller von Inkontinenz Betroffenen an irritativen Hautveränderungen und benötigen – von einem geminderten Wohlbefinden ganz abgesehen – zusätzliche Aufwendungen in Sachen Zeit und Materialeinsatz. Aktiver Hautschutz ist daher nicht nur hinsichtlich der Lebensqualität, sondern auch mit Blick auf die Folgekosten für Hautbehandlungen ein wesentlicher Aspekt des Inkontinenzmanagements, der bei der Auswahl der Produkte berücksichtigt werden sollte.
Durch den sinnvollen Einsatz innovativer Inkontinenzprodukte und ein auf die Inkontinenzprodukte abgestimmtes Hautschutzpräparat lassen sich die Kosten für unnötigen Produktverbrauch und zusätzlichen Pflegeaufwand erheblich reduzieren. Das bedeutet für das Management ein Plus an Wirtschaftlichkeit, für das Pflegepersonal ein Plus an Arbeitserleichterung – und für die Betroffenen ein Plus an Lebensqualität. Auf diese Weise profitiert von einem aktiven Hautschutz im Rahmen der hygienischen Versorgung die gesamte Einrichtung.
Quelle: PAUL HARTMANN AG, www.hartmann.info
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