Glossar und Wörterbuch

Moderne Wundversorgung

Chronische Wunden - Moderne Wundversorgung

Wer ist davon betroffen?
Chronische Wunden stellen ein ernsthaftes medizinisches und gesellschaftliches Problem dar. Rund 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter schlecht heilenden bzw. nicht heilenden Wunden. Dabei ist zu erwarten, dass die Patientenzahlen bei steigender Lebenserwartung zunehmen werden. Obwohl viele Anstrengungen im Gesundheitswesen zur Prävention chronischer Erkrankungen unternommen werden, besteht immer noch ein enormer Bedarf "chronische Wunden" zu vermeiden bzw. adäquat zu behandeln.

Normalerweise erfolgt die Wundheilung in bestimmten Phasen, die unter normalen Umständen verlässlich eingehalten werden.

Durch äußere Einflüsse oder Begleit- und Grunderkrankungen kann dieser natürliche "Fahrplan" gestört werden, es entstehen chronische Wunden.

Durch diese Wundheilungsstörungen entstehen schlecht heilende Wunden, die in verschiedene Krankheitsbilder eingeordnet werden können. Die am häufigsten vorkommenden Krankheiten mit schlecht heilenden Wunden sind:

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Ulcus cruris

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Dekubitus

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Diabetischer Fuß

Die Behandlung hat sich in den letzten Jahren drastisch geändert: Früher wurden schlecht heilende Wunden konventionell versorgt. Sie wurden unter der Vorstellung der Infektionsvermeidung trocken gehalten. Forschungsergebnisse in den frühen 60er Jahren konnten dann aber belegen, dass ein Austrocknen einer Wunde zur Störung/Verlangsamung der Wundheilung führt. Die moderne Wundversorgung war geboren: feuchte Wundverhältnisse fördern die natürlichen Mechanismen der Gewebereparatur.

Ziel der modernen Wundversorgung ist, die pathologische Wundheilung zu normalisieren. Dies wird mit zweierlei Ansätzen verfolgt:

  

1. Die moderne Wundtherapie soll mit hydroaktiven Wundauflagen (Wundauflagen, die den Feuchtigkeitshaushalt der Wunde regulieren) optimale Voraussetzungen für die lokale Wundheilung gewährleisten.

  

2. Als Ursache für die Wundheilungsstörung ist die Behandlung der Grunderkrankung unbedingt in den gesamten Therapieplan einzubeziehen.

Grunderkrankungen mit Einfluss auf die Wundheilung

Bei Ulcus cruris:

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Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)

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Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

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Chronisches Lymphödem

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Vaskulitis untersch. Genese

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Pyroderma Gangraenosum etc.

Bei Dekubitus:

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Einschränkung der Schmerzempfindung

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Kachexie

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Inkontinenz

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Dehydrierung

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Medikamenteneinfluss (z. B. Kortison)

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Mangelbewegung (Bettlägrigkeit)

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Tumorauszehrung

Bei Diabetischem Fußsyndrom:

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Langbestehender Diabetes mellitus

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Schlechte metabolische Einstellung

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Periphere Neuropathie

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Periphere arterielle Verschlusskrankheit

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Nicht fachgerechte Fußpflege

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Nicht angepasstes Schuhwerk

Bis Mitte der 70er Jahre wurden schlecht heilende Wunden bzw. chronische Wunden generell mit klassischen Verbandsstoffen (Baumwollkompressen, PVP-Jodlösungen) austrocknend therapiert.

Die medizinische Erkenntnis und der produkttechnische Fortschritt ermöglichen mittlerweile eine optimale und wesentlich effizientere Wundtherapie. Sie basiert auf dem Aufrechterhalten eines feuchten Wundmilieus, welches die Abheilung, im Gegensatz zu austrocknenden Verbänden, beschleunigt. Dies wird durch hydroaktive Wundauflagen ermöglicht, die folgende Kriterien erfüllen:

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überschüssiges Wundexsudat aufnehmen und "verwalten"

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ein feuchtes Klima im Wundbereich bereitstellen

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den Gasaustausch gewährleisten (Atmungsaktivität)

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die Wunde thermisch von der Umwelt isolieren

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undurchlässig für Mikroorganismen sind

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sich atraumatisch entfernen lassen

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keine Fasern oder andere Fremdstoffe abgeben

Um diese grundsätzlichen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig den individuellen Bedürfnissen und unterschiedlichen Wundheilungsphasen gerecht zu werden, sind eine Vielzahl von Produkten entwickelt worden, die in folgende Kategorien unterteilt werden:

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Hydrokolloide

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Alginate

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Hydrogele

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Schaumverbände

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Polymere/Hydropolymere Wundauflagen

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Semipermeable Folienverbände

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Aktivkohle-Wundverbände

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wundspülende Verbände

Produktbeispiele

Hydrokolloid 
Moderne Wundversorgung Decubitus 

Nichthaftende und adhäsive Versionen der einzelnen Wundverbände stehen jeweils zur Verfügung und können entsprechend der klinischen Notwendigkeit eingesetzt werden.

Die Produktvielfalt ist notwendig, um den Behandelnden optimale Wundauflagen für den jeweiligen Zustand der Wunde mit den unterschiedlichen Bedürfnissen in den unterschiedlichen Wundheilungsphasen anbieten zu können.

Die Produkte haben folglich unterschiedliche Eigenschaften. Eine der wichtigsten ist die Exsudataufnahmekapazität. Die weiteren Eigenschaften der Produkte berücksichtigen die verschiedenen Wundheilungsphasen und -zustände und bedürfen einer fachkundigen Auswahl und Anwendung.

Die meisten Patienten mit chronischen Wunden und den zu Grunde liegenden Begleiterkrankungen werden im ambulanten Bereich versorgt.

Mit der Gesundheitsreform 2000 stellte der Gesetzgeber die Forderung "ambulant vor stationär". Es ist anzunehmen, dass damit die Patientenzahlen im ambulanten Sektor zunehmen wird. Die Annahme begründet sich auf der Einführung der AR-DRG nach § 17 KHG, wonach die Krankenhäuser über Fallpauschalen vergütet werden, die nahe legen, dass sich die Verweildauer in den Krankenhäusern wesentlich verkürzen wird.

Mit dieser Verlagerung in den ambulanten Bereich wird es notwendig, die Infrastruktur entsprechend auszubauen, um eine qualitativ hochwertige Versorgung der homecare-Patienten zu garantieren. Hierzu verpflichten sich die Mitglieder des bvhc die vom Verband definierten Qualitätsstandards, die die Bereiche Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität definieren, einzuhalten.

Aus diesem Grund hält es der bvhc für dringend notwendig, die Qualität der gesamten Patientenversorgung im ambulanten Bereich sicherzustellen. Neben der Qualitätssicherung der eingesetzten Produkte (Kennzeichnung, § 139 SGB V Hilfsmittel) muss die Betreuung und Beratung der Partienten festgeschrieben sein.

Die moderne Wundversorgung bei Patienten darf niemals isoliert betrachtet werden, sondern muss den Patienten in seiner Gesamtheit berücksichtigen. Hieraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit einer qualifizierten und kompetenten Betreuung der Patienten, die nur bei richtig geschultem Pflegepersonal garantiert werden kann. Der bvhc hat hierzu Richtlinien für die Schulungsprogramme erarbeitet. Diese Richtlinien sollen dazu beitragen, eine einheitliche bundesweite Informations- und Wissensbasis zu schaffen. Die Schulungsinhalte orientieren sich an den Empfehlungen/Leitlinien der folgenden Fachgesellschaften (beispielhaft):

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Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

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Scottish Intercollegiate Guidelines Network

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European Pressure Ulcer Advisory Panel

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National Pressure Ulcer Advisory Panel

Letztlich muss eine qualifizierte Ausbildung des Pflegepersonals vor dem Hintergrund der Kostensteigerung im Gesundheitswesen betrachtet werden. In Zeiten von wachsenden Ausgaben, aber begrenzten finanziellen Mitteln, gewinnt deren effiziente Verteilung besondere Bedeutung. Effizienzsteigerungen, die zu Kostenersparnis führen, sind immer dort möglich, wo mit fundiertem know-how gearbeitet wird.

Weiterführende Informationen

Unter den nachfolgend aufgeführten Links erhalten Sie weiterführende Informationen zu den Grunderkrankungen:

Dekubitus:

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http://www.npuap.org

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http://66.70.207.8/

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http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/index.html (Leitlinien, Physikalische, Medizin und Rehabilitation, Dekubitus - Therapie und Prophylaxe)

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http://www.dekubitus-online.de Allgemeines, Geschichte, Einteilung, Behandlung

Ulcus cruris:

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http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/index.html Leitlinien, Dermatologie, Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum (Februar 1998)

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http://www.sign.ac.uk/ Guideline #26 The Care of Patients with Chronic Legulcer

Diabetisches Fuß-Syndrom

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http://www.sign.ac.uk/ Guideline #12 Management of Diabetic Foot Disease

Allgemeine Informationen zur Wundbehandlung finden Sie unter den folgenden Links:

http://www.medicus.de/wundmanagement/wundversorgung.htm
Wundmanagement (Datenbank), Wundversorgung und Therapie, Wundbehandlung und feuchtes Wundheilungsmilieu, Infizierte Wunde, Epithelisierende Wunde, Diskussionsforum

Glossar

adhäsiv - anhaftend, anklebend
Alginat
atraumatisch - schmerzfrei 
Chronisches Lymphödem - durch Behinderung des Lymphabflusses verursachte Schwellung
Chronisch venöse Insuffizienz
Diabetischer Fuß - Geschwüre im Fußbereich als Spätfolge einer Zuckerkrankheit
Diabetes mellitus - Zuckerkrankheit
Dehydrierung - Flüssigkeitsmangel
Dekubitus - Druckgeschwüre
epithelisierend - wachsen, blühend
Genese - Entstehung 
hydroaktiv - feucht
Hydrokolloid
Hydrogel
Inkontinenz - Unvermögen, Harn oder Stuhl willkürlich zurückzuhalten 
Kachexie - Mangelernährung: kalorisch (die Wärme betreffend), Vitamine, Spurenelemente 
metabolische Einstellung
pathologisch - krankhaft, verändert
Prävention - Vorbeugung
Periphere arterielle Verschlusskrankheit
periphere Neuropathie
Polymer/Hydropolymer
Pyroderma Gangraenosum - schmerzhafte, großflächige Geschwürbildung ungeklärter Entstehung
PVP-Jod - Polyvidonpyrolidon-Jod = Antiseptikum (Bakterienwachstum hemmendes oder verhinderndes Mittel bei der Wundbehandlung)
semipermeabel -   halbdurchlässig
thermisch -  auf die Wärme bezüglich, Wärme...
Tumor - Geschwulst, örtlich umschriebene Zunahme des Gewebevolumens
Ulcus cruris - Unterschenkelgeschwüre
Vaskulitis - Gefäßentzündungen 
Wundexsudat - Austritt von Flüssigkeit und Zellen aus Blut- und Lymphgefäßen